Depressive Störungen bei Schülern erkennen und verstehen: Ein Leitfaden für die Schulbegleitung
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Wenn die Freude verschwindet: Depressive Störungen im Schulalltag
Lea kommt morgens kaum noch aus dem Bett. Die 14-Jährige, die früher begeistert am Kunstunterricht teilnahm, sitzt jetzt oft stumm in der letzten Reihe und starrt auf ihren Tisch. Ihre Schulbegleiterin bemerkt, dass sich das Mädchen über Wochen verändert hat. Handelt es sich um eine normale Phase der Pubertät oder um etwas Ernsteres? Diese Frage stellen sich viele Fachkräfte in der Schulbegleitung täglich. Tatsächlich sind depressive Störungen bei Schülern keine Seltenheit: Studien zeigen, dass etwa 3 bis 10 Prozent aller Kinder und Jugendlichen im Laufe ihrer Schulzeit eine depressive Episode erleben [1]. Dieser Artikel vermittelt Ihnen fundiertes Wissen über depressive Störungen bei Kindern und Jugendlichen, erklärt die wichtigsten Symptome und Verlaufsformen und zeigt auf, wie Sie als Schulbegleitung angemessen reagieren können.
Was sind depressive Störungen und warum sind sie im Schulkontext so bedeutsam?
Depressive Störungen gehören zu den seelischen Erkrankungen, die das Erleben, Denken und Verhalten eines Menschen grundlegend beeinflussen. Bei Kindern und Jugendlichen äußern sie sich durch eine anhaltende gedrückte Stimmung, einen deutlichen Verlust von Freude und Interesse sowie einen verminderten Antrieb über mindestens zwei Wochen hinweg. Diese Kernsymptome unterscheiden eine echte depressive Episode von normalen Stimmungsschwankungen, die zum Heranwachsen dazugehören.
Die Bedeutung im Schulkontext ist enorm. Schule ist nicht nur ein Ort des Lernens, sondern auch ein sozialer Raum, in dem sich depressive Symptome besonders deutlich zeigen. Betroffene Schülerinnen und Schüler ziehen sich zurück, ihre Leistungen brechen ein und sie verlieren den Anschluss an Gleichaltrige. Wer in diesem Bereich mit Kindern und Jugendlichen arbeitet, findet bei Diingu einen Kurs zur Vertiefung: Depressive Störungen.
Depressive Störungen werden nach Verlauf und Schweregrad unterschieden. Die rezidivierende depressive Störung bezeichnet wiederkehrende depressive Episoden mit symptomfreien Phasen dazwischen. Die Dysthymie hingegen beschreibt eine chronisch anhaltende, aber meist weniger ausgeprägte depressive Verstimmung über mindestens ein Jahr bei Kindern und Jugendlichen. Beide Formen können den Schulalltag massiv beeinträchtigen und benötigen unterschiedliche Unterstützungsansätze.
Wichtig ist die Abgrenzung zu vorübergehenden Verstimmungen. Jeder Mensch erlebt traurige Momente, Enttäuschungen oder Phasen geringerer Motivation. Bei einer depressiven Störung jedoch halten die Symptome über Wochen an, sie treten fast täglich auf und beeinträchtigen die Lebensqualität erheblich. Die Betroffenen können ihre Stimmung nicht durch positive Ereignisse verbessern, sie fühlen sich in einem Tunnel gefangen, aus dem sie keinen Ausweg sehen.
Warum dieses Wissen heute unverzichtbar ist
Früherkennung verhindert Chronifizierung
Je früher eine depressive Störung erkannt wird, desto besser sind die Behandlungschancen. Unbehandelte Depressionen bei Kindern und Jugendlichen neigen zur Chronifizierung und können bis ins Erwachsenenalter fortbestehen [2]. Schulbegleitungen verbringen oft mehr Zeit mit den betroffenen Schülerinnen und Schülern als viele andere Bezugspersonen. Sie sind in einer einzigartigen Position, um subtile Veränderungen im Verhalten und Erleben wahrzunehmen. Wer die Anzeichen kennt, kann frühzeitig das Gespräch mit Lehrkräften, Eltern und Fachstellen anstoßen und damit den Verlauf positiv beeinflussen.
Zunehmende Prävalenz bei jungen Menschen
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Die Weltgesundheitsorganisation stuft Depressionen als eine der häufigsten Ursachen für Krankheit und Behinderung bei Jugendlichen ein [3]. In Deutschland zeigen aktuelle Erhebungen, dass die Häufigkeit depressiver Symptome bei Kindern und Jugendlichen in den vergangenen Jahren zugenommen hat. Faktoren wie Leistungsdruck, soziale Medien, familiäre Belastungen und gesellschaftliche Krisen verstärken die Vulnerabilität junger Menschen. Schulbegleitungen müssen daher mit diesem Phänomen vertraut sein, da es statistisch wahrscheinlich ist, dass sie im Laufe ihrer Tätigkeit mehrfach damit konfrontiert werden.
Schulische Inklusion erfordert spezifisches Wissen
Depressive Störungen gehören zu den seelischen Behinderungen, die einen Anspruch auf Schulbegleitung begründen können. Um Schülerinnen und Schüler mit dieser Diagnose angemessen zu unterstützen, braucht es mehr als guten Willen. Es erfordert Verständnis für die Erkrankung, ihre Auswirkungen auf Motivation, Konzentration und soziale Interaktion sowie Kenntnis darüber, welche Unterstützungsformen hilfreich sind und welche kontraproduktiv wirken können. Ohne dieses Wissen besteht die Gefahr, dass gut gemeinte Interventionen die Situation verschlechtern oder dass wichtige Warnsignale übersehen werden.
Suizidalität als kritisches Risiko
Eine der gravierendsten Begleiterscheinungen depressiver Störungen bei Jugendlichen sind Suizidgedanken. Suizid ist nach Unfällen die zweithäufigste Todesursache bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland [4]. Die meisten Betroffenen senden Warnsignale aus, bevor sie einen Suizidversuch unternehmen. Schulbegleitungen müssen diese Signale erkennen und richtig darauf reagieren können. Das Wissen um Risikofaktoren und Handlungsoptionen kann im Ernstfall lebensrettend sein. Es gibt kaum eine Situation, in der Fachwissen dringlicher gebraucht wird als in diesem Kontext.
Abgrenzung zu anderen psychischen Auffälligkeiten
Nicht jeder Rückzug bedeutet eine Depression, nicht jede Verhaltensauffälligkeit deutet auf eine seelische Erkrankung hin. Schulbegleitungen begegnen täglich einer Vielzahl von Verhaltensweisen, die unterschiedliche Ursachen haben können. Symptome depressiver Störungen können sich mit Ängsten, ADHS, Autismus-Spektrum-Störungen oder Traumafolgestörungen überschneiden. Fundiertes Wissen hilft dabei, Beobachtungen einzuordnen, ohne voreilige Diagnosen zu stellen, und die richtigen Fachleute hinzuzuziehen. Diese diagnostische Sensibilität ist ein wesentlicher Bestandteil professioneller Begleitung.
Eigene professionelle Weiterentwicklung
Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die an depressiven Störungen leiden, kann emotional belastend sein. Begleitpersonen erleben Gefühle der Hilflosigkeit, Frustration oder Überforderung. Fachwissen schafft hier eine wichtige Grundlage für professionelle Distanz und Selbstfürsorge. Wer versteht, dass bestimmte Verhaltensweisen krankheitsbedingt sind und nicht persönlich gemeint, kann besser mit schwierigen Situationen umgehen. Gleichzeitig eröffnet die Auseinandersetzung mit diesem Thema Entwicklungsmöglichkeiten und stärkt die eigene Fachkompetenz im wachsenden Feld der inklusiven Bildung.
Häufige Herausforderungen und Stolpersteine
Eine der größten Schwierigkeiten im Umgang mit depressiven Schülern besteht darin, dass die Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen oft anders aussieht als bei Erwachsenen. Während Erwachsene häufig über Traurigkeit und innere Leere berichten, zeigen sich depressive Störungen bei jungen Menschen manchmal durch Gereiztheit, Wutausbrüche oder körperliche Beschwerden. Ein Schüler mit Depression mag nicht weinend in der Ecke sitzen, sondern aggressiv auf Mitschüler reagieren oder ständig über Bauchschmerzen klagen. Diese atypischen Präsentationen führen dazu, dass die Depression übersehen und stattdessen von Verhaltensproblemen oder körperlichen Erkrankungen ausgegangen wird.
Ein weiterer Stolperstein liegt in der Grauzone zwischen normaler Entwicklung und behandlungsbedürftiger Störung. Die Pubertät ist eine Zeit intensiver emotionaler Schwankungen. Stimmungstiefs, Rückzug und Interessenverlust können auch Teil der normalen Adoleszenz sein. Schulbegleitungen stehen vor der schwierigen Aufgabe, einzuschätzen, wann diese Veränderungen das normale Maß überschreiten. Fehlt das Wissen über die diagnostischen Kriterien wie die Dauer der Symptome, den Schweregrad und die Funktionsbeeinträchtigung, besteht entweder die Gefahr der Überpathologisierung oder der gefährlichen Verharmlosung nach dem Motto: "Das ist eben die Pubertät."
Die Kommunikation mit betroffenen Schülerinnen und Schülern stellt eine eigene Herausforderung dar. Viele Jugendliche mit Depression empfinden Scham und haben Angst vor Stigmatisierung. Sie verbergen ihre Symptome aktiv und geben vor, dass alles in Ordnung sei. Andere können ihre inneren Zustände nicht in Worte fassen oder erkennen selbst nicht, dass sie krank sind. Schulbegleitungen, die nicht geschult sind, finden oft keinen Zugang oder verwenden Formulierungen, die das Vertrauen zerstören. Aussagen wie "Du musst dich nur mehr anstrengen" oder "Denk doch einfach positiv" wirken auf depressive junge Menschen wie eine Bestätigung ihrer Schuld und Wertlosigkeit.
Auch im interdisziplinären Team können Wissenslücken zu Konflikten führen. Lehrkräfte ohne Kenntnisse über depressive Störungen interpretieren Leistungseinbrüche möglicherweise als Faulheit oder Desinteresse. Eltern leugnen aus Überforderung die Erkrankung oder reagieren mit Vorwürfen. Wenn die Schulbegleitung nicht über fundiertes Wissen verfügt, kann sie in diesen Situationen nicht vermittelnd eingreifen und auf die Notwendigkeit professioneller Hilfe hinweisen. Im schlimmsten Fall wird die Begleitung selbst Teil einer Dynamik, die den Zustand der betroffenen Person verschlechtert.
Die Abgrenzung der eigenen Rolle stellt eine weitere komplexe Herausforderung dar. Schulbegleitungen sind keine Therapeutinnen und Therapeuten, dennoch bauen die betreuten Schülerinnen und Schüler oft eine enge Bindung zu ihnen auf. Die Versuchung ist groß, therapeutische Gespräche führen zu wollen oder Ratschläge zu geben, die über die eigene Kompetenz hinausgehen. Ohne klares Verständnis der eigenen Rolle und der Grenzen pädagogischer Begleitung bei seelischen Erkrankungen entsteht ein Risiko der Überforderung auf beiden Seiten. Gleichzeitig kann zu große Zurückhaltung dazu führen, dass wichtige Beobachtungen nicht weitergegeben werden und notwendige Interventionen ausbleiben.
Anwendung in der Praxis: Depression im Schulalltag begegnen
Wie äußert sich eine depressive Episode konkret im Schulalltag? Nehmen wir Markus, einen 12-jährigen Schüler mit einer diagnostizierten rezidivierenden depressiven Störung. Seine Schulbegleitung bemerkt, dass Markus morgens erschöpft wirkt, obwohl er berichtet, früh ins Bett gegangen zu sein. Schlafstörungen sind ein häufiges Symptom. Im Unterricht schweift sein Blick ab, er kann sich nicht konzentrieren. Aufgaben, die ihm früher leichtfielen, wirken plötzlich überwältigend. In den Pausen steht er abseits, während seine Mitschüler Fußball spielen. Auf Nachfrage antwortet er einsilbig, sein Gesichtsausdruck bleibt leer.
Die geschulte Schulbegleitung erkennt diese Zeichen und dokumentiert sie systematisch. Sie weiß, dass Konzentrationsschwierigkeiten und Antriebslosigkeit zur Erkrankung gehören und nicht durch einfache Ermutigungen verschwinden. Statt Druck auszuüben, passt sie die Anforderungen an die aktuelle Belastbarkeit an. Sie bespricht mit der Lehrkraft, dass Markus vielleicht zunächst nur Teilaufgaben bearbeiten kann und dass Pausen wichtig sind. Diese Form der Schulbegleitung bei Depression bedeutet nicht, Anforderungen vollständig zu entfernen, sondern sie so anzupassen, dass Erfolgserlebnisse möglich bleiben und Überforderung vermieden wird.
Ein anderes Beispiel ist Sophie, 16 Jahre alt, bei der eine Dysthymie diagnostiziert wurde. Im Gegensatz zu akuten depressiven Episoden ist Sophies Grundstimmung seit Jahren leicht gedrückt. Sie funktioniert im Schulalltag, ihre Noten sind durchschnittlich, aber sie erlebt keine Freude. Ihre Schulbegleitung unterstützt sie dabei, soziale Kontakte aufrechtzuerhalten, auch wenn Sophie wenig Motivation dazu verspürt. Gemeinsame Pausen mit einer kleinen Gruppe, strukturierte Tagesabläufe und das Setzen kleiner, erreichbarer Ziele helfen Sophie, nicht weiter abzurutschen. Die Begleitung kennt die Besonderheiten der Dysthymie und versteht, dass diese Form der Depression oft weniger dramatisch wirkt, aber durch ihre Chronizität die Lebensqualität massiv einschränkt.
In der Praxis bedeutet kompetente Begleitung auch, Warnsignale für Suizidalität zu erkennen. Wenn ein Schüler plötzlich sehr ruhig und gelöst wirkt, nachdem er wochenlang verzweifelt schien, kann dies paradoxerweise ein Alarmzeichen sein. Manche Jugendliche verschenken persönliche Gegenstände oder verabschieden sich auf ungewöhnliche Weise. Äußerungen wie "Bald ist alles vorbei" oder "Ich bin allen nur eine Last" dürfen niemals ignoriert werden. Eine fachlich versierte Schulbegleitung weiß, dass in solchen Momenten keine Zeit für Abwarten bleibt. Sie sucht sofort das Gespräch mit der Schulleitung, informiert die Eltern und sorgt dafür, dass die betroffene Person nicht allein gelassen wird, bis professionelle Hilfe erreicht ist.
Die praktische Anwendung von Fachwissen zeigt sich auch im Umgang mit Rückfällen. Bei einer rezidivierenden depressiven Störung können nach symptomfreien Phasen neue Episoden auftreten. Eine erfahrene Schulbegleitung erkennt die ersten Anzeichen eines Rückfalls und kann frühzeitig mit dem therapeutischen Team in Kontakt treten. Sie versteht, dass solche Rückfälle Teil des Krankheitsbildes sind und keine persönliche Niederlage darstellen. Diese Haltung vermittelt sie auch dem betroffenen Schüler und stärkt dessen Selbstwirksamkeit im Umgang mit der chronischen Erkrankung.
So gelingt der Einstieg in das Thema
Wer sich fachlich mit depressiven Störungen bei Kindern und Jugendlichen auseinandersetzen möchte, sollte zunächst die diagnostischen Grundlagen verstehen. Dazu gehört das Wissen um die Kernsymptome wie anhaltende Niedergeschlagenheit, Interessenverlust und Antriebsmangel sowie die Begleitsymptome wie Selbstzweifel, Schuldgefühle, Schlafstörungen und Suizidgedanken. Ebenso wichtig ist die Kenntnis der verschiedenen Verlaufsformen. Neben der einzelnen depressiven Episode gibt es die rezidivierende Form mit wiederkehrenden Phasen und die chronische Dysthymie mit langanhaltender, aber oft weniger intensiver Symptomatik.
Ein wesentlicher Aspekt ist die Unterscheidung zwischen alterstypischen Stimmungsschwankungen und behandlungsbedürftigen Störungen. Hierbei helfen die zeitlichen Kriterien: Symptome müssen mindestens zwei Wochen anhalten und fast täglich auftreten. Zudem muss eine deutliche Beeinträchtigung im Alltag vorliegen. Ein Jugendlicher, der nach einer Trennung zwei Wochen traurig ist, aber weiterhin zur Schule geht und Freunde trifft, erfüllt nicht die Kriterien einer depressiven Episode. Ein Jugendlicher, der über Wochen das Bett kaum verlässt, die Schule verweigert und Suizidgedanken äußert, braucht dringend professionelle Hilfe.
Die Kommunikation mit betroffenen Schülerinnen und Schülern erfordert besondere Sensibilität. Offene Fragen wie "Wie geht es dir in letzter Zeit?" sind hilfreicher als geschlossene Fragen, die mit Ja oder Nein beantwortet werden können. Wichtig ist eine nicht wertende, empathische Haltung. Aussagen wie "Ich habe bemerkt, dass du dich in den letzten Wochen verändert hast, und ich mache mir Sorgen" öffnen den Raum für ein Gespräch. Dabei sollte vermieden werden, vorschnell zu trösten oder Lösungen anzubieten. Manchmal ist es das Wichtigste, einfach zuzuhören und die Gefühle der betroffenen Person ernst zu nehmen.
Die Zusammenarbeit im interdisziplinären Netzwerk bildet einen zentralen Erfolgsfaktor. Schulbegleitungen sollten wissen, welche Fachstellen es gibt: Kinder- und Jugendpsychiatrie, psychologische Beratungsstellen, schulpsychologische Dienste, niedergelassene Kinder- und Jugendpsychotherapeuten. Sie sollten verstehen, welche Rolle Lehrkräfte, Eltern, Sozialarbeiter und therapeutische Fachkräfte spielen und wie Informationen datenschutzkonform ausgetauscht werden können. Die eigene Rolle als Bindeglied zwischen diesen Akteuren zu verstehen und zu gestalten, ist eine Kompetenz, die über reines Fachwissen hinausgeht, aber darauf aufbaut.
Nicht zuletzt gehört zum Einstieg in dieses Themenfeld auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Haltung und den eigenen Grenzen. Die Begleitung von Menschen mit depressiven Störungen kann emotional fordernd sein. Gefühle von Hilflosigkeit, Frustration oder Überforderung sind normal. Selbstfürsorge, Supervision und kollegialer Austausch sind keine Zeichen von Schwäche, sondern Voraussetzungen für nachhaltige, professionelle Arbeit. Wer die eigenen Belastungsgrenzen kennt und achtet, kann langfristig eine verlässliche Stütze für die betreuten Schülerinnen und Schüler sein.
Passende Weiterbildung bei Diingu
Für Fachkräfte in der Schulbegleitung, die ihr Wissen über depressive Störungen vertiefen möchten, bietet Diingu einen spezialisierten Kurs an. Der Kurs Depressive Störungen vermittelt fundiertes Wissen über Symptome, Verlaufsformen und den professionellen Umgang mit betroffenen Kindern und Jugendlichen im Schulkontext. Die interaktive Lernplattform ermöglicht eine flexible, praxisnahe Weiterbildung, die sich gut in den Berufsalltag integrieren lässt. Besonders wertvoll ist die Ausrichtung auf die spezifischen Anforderungen der Schulbegleitung bei seelischen Behinderungen, sodass die Inhalte direkt im Arbeitsalltag anwendbar sind.
Häufig gestellte Fragen
Wie erkenne ich eine depressive Störung bei einem Schüler?
Achten Sie auf anhaltende Veränderungen über mindestens zwei Wochen: gedrückte Stimmung, Rückzug von Freunden und Aktivitäten, Leistungseinbrüche, Schlafstörungen, Äußerungen von Hoffnungslosigkeit oder Wertlosigkeit. Bei Kindern und Jugendlichen können sich Depressionen auch durch Gereiztheit, Wutausbrüche oder körperliche Beschwerden zeigen. Wichtig ist, dass mehrere Symptome gleichzeitig auftreten und den Alltag deutlich beeinträchtigen.
Was ist der Unterschied zwischen Depression und Dysthymie?
Eine depressive Episode ist eine zeitlich begrenzte Phase mit ausgeprägten Symptomen, die mindestens zwei Wochen anhält. Eine Dysthymie hingegen ist eine chronisch anhaltende, aber oft weniger intensive depressive Verstimmung, die bei Kindern und Jugendlichen mindestens ein Jahr besteht. Menschen mit Dysthymie funktionieren oft im Alltag, erleben aber kaum Freude und haben eine dauerhaft gedrückte Grundstimmung. Beide Formen benötigen professionelle Behandlung.
Wie kann ich als Schulbegleiter depressive Schüler unterstützen?
Bieten Sie eine verlässliche, nicht wertende Beziehung an. Passen Sie Anforderungen an die aktuelle Belastbarkeit an, ohne alle Herausforderungen zu entfernen. Ermutigen Sie zu sozialen Kontakten und Tagesstruktur. Wichtig: Sie sind keine Therapeutin oder Therapeut. Ihre Rolle ist es, im Schulalltag zu unterstützen, Beobachtungen zu dokumentieren und mit Fachkräften, Lehrkräften und Eltern zu kommunizieren. Bei Suizidgedanken sofort professionelle Hilfe einschalten.
Wann sollte professionelle Hilfe bei Depression eingeschaltet werden?
Professionelle Hilfe ist immer dann notwendig, wenn Symptome einer Depression über zwei Wochen anhalten und den Alltag beeinträchtigen. Sofortiges Handeln ist geboten bei Suizidgedanken, Selbstverletzung, völligem Rückzug, Schulverweigerung oder wenn das Kind oder der Jugendliche selbst oder die Familie um Hilfe bittet. Sprechen Sie mit Eltern, Schulleitung und vermitteln Sie Kontakte zu Beratungsstellen oder Kinder- und Jugendpsychiatrie. Im Notfall gilt: Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig reagieren.
Können Kinder eine echte Depression haben?
Ja, depressive Störungen können bereits im Kindesalter auftreten. Die Symptome unterscheiden sich teilweise von denen Erwachsener. Kinder können ihre Gefühle oft nicht gut in Worte fassen und zeigen die Depression durch Verhaltensänderungen, körperliche Beschwerden, Reizbarkeit oder Leistungseinbußen. Die Erkrankung ist bei Kindern genauso real und behandlungsbedürftig wie bei Erwachsenen. Frühe Erkennung und Behandlung verbessern die Prognose erheblich und verhindern eine Chronifizierung.
Fazit
Depressive Störungen bei Schülern sind eine ernstzunehmende Realität im schulischen Alltag. Fachkräfte in der Schulbegleitung, die über fundiertes Wissen zu Symptomen, Verlaufsformen und Unterstützungsmöglichkeiten verfügen, können einen entscheidenden Unterschied im Leben betroffener Kinder und Jugendlicher machen. Die Fähigkeit, eine depressive Episode frühzeitig zu erkennen, angemessen zu reagieren und professionelle Hilfe zu vermitteln, gehört heute zu den unverzichtbaren Kompetenzen im Bereich der inklusiven Bildung. Gleichzeitig erfordert diese Arbeit die Bereitschaft zur kontinuierlichen Weiterbildung, zur Selbstreflexion und zum interdisziplinären Austausch. Depression ist keine Phase, die von selbst vergeht, und kein Zeichen von Schwäche. Sie ist eine behandelbare Erkrankung. Wer diese Grundhaltung verinnerlicht und mit Fachwissen untermauert, wird zu einer wichtigen Ressource für die betroffenen jungen Menschen und leistet einen wertvollen Beitrag zu deren Genesung und Teilhabe.
Quellen und weiterführende Links
[1] Robert Koch-Institut – Depressive Symptome bei Kindern und Jugendlichen - https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsT/depression.html
[2] Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie – Leitlinien zu depressiven Störungen - https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/028-043.html
[3] World Health Organization – Adolescent mental health - https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/adolescent-mental-health
[4] Statistisches Bundesamt – Todesursachen bei Kindern und Jugendlichen - https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Todesursachen/_inhalt.html
[5] Stiftung Deutsche Depressionshilfe – Depression im Kindes- und Jugendalter - https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/depression-in-verschiedenen-facetten/depression-im-kindes-und-jugendalter