Sozialpädagogische Familienhilfe: Aufgaben, Ablauf und Voraussetzungen für die Praxis
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Einleitung
In Deutschland leben mehr als 50.000 Familien jährlich mit der Unterstützung durch sozialpädagogische Familienhilfe. Diese intensive Form der Jugendhilfe erreicht Eltern und Kinder dort, wo andere Hilfen nicht mehr ausreichen. Wenn Überforderung, Armut, Krankheit oder Konflikte den Familienalltag dominieren, kann die SPFH einen entscheidenden Unterschied machen. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem oft missverstandenen Angebot?
Für viele Menschen ist sozialpädagogische Familienhilfe ein abstrakter Begriff, der irgendwo zwischen Sozialarbeit und staatlicher Kontrolle angesiedelt scheint. Tatsächlich handelt es sich um eine differenzierte, aufsuchende Hilfeform, die Familien über Monate oder Jahre begleitet und dabei sowohl praktische Alltagsunterstützung als auch pädagogische Impulse bietet. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Aufgaben die SPFH umfasst, wie der typische Ablauf gestaltet ist, welche rechtlichen Grundlagen gelten und wie Fachkräfte sich auf diese anspruchsvolle Tätigkeit vorbereiten können. Wer sich umfassend in dieses Feld einarbeiten möchte, findet bei Diingu einen kostenlosen Einführungskurs zur sozialpädagogischen Familienhilfe, der alle zentralen Grundlagen vermittelt.
Was ist sozialpädagogische Familienhilfe und warum ist sie wichtig?
Die sozialpädagogische Familienhilfe ist eine ambulante Hilfe zur Erziehung nach Paragraph 31 des Achten Sozialgesetzbuchs (SGB VIII). Sie richtet sich an Familien, die aufgrund vielfältiger Belastungen Schwierigkeiten haben, ihren Alltag zu bewältigen und ihren Kindern ein entwicklungsförderliches Umfeld zu bieten. Anders als punktuelle Beratungsangebote arbeitet die SPFH aufsuchend und längerfristig, in der Regel über mehrere Monate bis hin zu zwei Jahren. [1]
Die Besonderheit dieser Hilfeform liegt in ihrem systemischen Ansatz. Die Fachkraft kommt direkt in die Familie, erlebt den Alltag mit und arbeitet gemeinsam mit allen Familienmitgliedern an Lösungen. Das Ziel ist nicht, Probleme für die Familie zu lösen, sondern die Selbsthilfekräfte zu stärken und nachhaltige Veränderungen anzustoßen. Dabei kann es um so unterschiedliche Themen gehen wie Haushaltsorganisation, Erziehungsfragen, Umgang mit Behörden, Schulprobleme der Kinder oder Beziehungskonflikte zwischen den Eltern.
Historisch entwickelte sich die sozialpädagogische Familienhilfe in den 1970er Jahren als Reaktion auf die Erkenntnis, dass stationäre Unterbringungen von Kindern oft vermeidbar sind, wenn Familien rechtzeitig und intensiv unterstützt werden. Heute gehört die SPFH zu den am häufigsten gewährten Hilfen zur Erziehung und erreicht Familien aus allen gesellschaftlichen Schichten, auch wenn sozioökonomische Belastungen einen deutlichen Risikofaktor darstellen. [2]
Die Bedeutung der SPFH liegt vor allem darin, dass sie präventiv wirkt. Durch frühzeitige Intervention können Eskalationen verhindert, Kindeswohlgefährdungen abgewendet und kostenintensive Fremdunterbringungen vermieden werden. Gleichzeitig stärkt sie elterliche Kompetenzen und ermöglicht Kindern, in ihrem vertrauten Umfeld aufzuwachsen. Für das Jugendamt ist die SPFH ein zentrales Instrument, um dem staatlichen Wächteramt gerecht zu werden, ohne dabei die Familie auseinanderzureißen.
Warum dieses Wissen heute unverzichtbar ist
Komplexe Familienlagen erfordern professionelle Kompetenz
Familien, die sozialpädagogische Familienhilfe erhalten, befinden sich häufig in Mehrfachbelastungen. Finanzielle Engpässe treffen auf gesundheitliche Probleme, Erziehungsunsicherheiten auf Partnerschaftskonflikte, Migration auf Sprachbarrieren. Diese Komplexität verlangt von Fachkräften ein breites Kompetenzspektrum. Wer in der SPFH arbeitet, muss systemisch denken können, verschiedene Hilfesysteme kennen und in der Lage sein, zwischen unterschiedlichen Rollen zu wechseln. Mal geht es darum, konkret beim Ausfüllen von Formularen zu helfen, mal um das Moderieren eines Familiengesprächs oder das Vermitteln an spezialisierte Beratungsstellen.
Ohne fundiertes Wissen über die Grundlagen der SPFH laufen Fachkräfte Gefahr, entweder zu direktiv zu agieren und damit die Selbstwirksamkeit der Familie zu untergraben, oder zu passiv zu bleiben und notwendige Impulse nicht zu setzen. Die Balance zwischen Unterstützung und Befähigung ist eine der zentralen Herausforderungen, die nur mit entsprechender Vorbereitung gelingt.
Rechtliche Rahmenbedingungen prägen das Handeln
Die Arbeit in der sozialpädagogischen Familienhilfe bewegt sich immer im Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle. Das Jugendamt gewährt die Hilfe auf Grundlage des SGB VIII, hat aber gleichzeitig den gesetzlichen Auftrag, Kindeswohlgefährdungen nachzugehen. SPFH-Fachkräfte sind verpflichtet, bei Anzeichen einer Gefährdung zu handeln und das Jugendamt zu informieren. [3]
Dieses rechtliche Fundament zu kennen, ist essenziell. Nur wer die gesetzlichen Grundlagen versteht, kann transparent mit Familien kommunizieren und das eigene Handeln begründen. Viele Konflikte in der SPFH entstehen, weil Familien nicht verstehen, welche Erwartungen an sie gestellt werden und welche Konsequenzen drohen, wenn Vereinbarungen nicht eingehalten werden. Fachkräfte, die die rechtlichen Rahmenbedingungen klar erklären können, schaffen Vertrauen und Verbindlichkeit zugleich.
Methodisches Handeln unterscheidet Laien von Profis
Gute Absichten allein reichen in der sozialpädagogischen Familienhilfe nicht aus. Die SPFH arbeitet mit einem breiten Methodenrepertoire, das von systemischen Fragetechniken über ressourcenorientierte Ansätze bis hin zu verhaltensorientierten Interventionen reicht. Je nach Situation und Familiendynamik sind unterschiedliche Methoden angebracht.
Fachkräfte ohne methodisches Rüstzeug agieren oft intuitiv, was manchmal funktioniert, aber ebenso oft in Sackgassen führt. Wenn etwa eine Mutter sich permanent überfordert fühlt, kann ein gut strukturierter Wochenplan eine Entlastung bringen. Wenn jedoch Scham und das Gefühl des Versagens im Vordergrund stehen, braucht es zunächst eine ressourcenorientierte Gesprächsführung, die Stärken sichtbar macht. Methodisches Wissen ermöglicht es, situationsangemessen zu reagieren und die eigene Arbeit professionell zu reflektieren.
Selbstfürsorge als Voraussetzung für nachhaltige Arbeit
Die Arbeit in der SPFH ist emotional fordernd. Fachkräfte begegnen existenziellen Nöten, erleben Rückschläge und müssen mit der Ambivalenz umgehen, dass Familien Hilfe oft gleichzeitig wünschen und ablehnen. Ohne ein klares Verständnis der eigenen Rolle und Grenzen droht eine schleichende Überforderung.
Ein fundiertes Wissen über die Strukturen und Abläufe der SPFH hilft dabei, realistische Erwartungen zu entwickeln. Wer versteht, dass Veränderung in Familiensystemen Zeit braucht und dass Rückschritte zum Prozess gehören, kann gelassener mit Frustrationen umgehen. Zudem schützt das Wissen um Dokumentationspflichten, Zuständigkeiten und Teamstrukturen davor, sich allein verantwortlich zu fühlen für Entwicklungen, die außerhalb der eigenen Einflusssphäre liegen.
Vernetzung als Schlüssel zum Erfolg
Kaum eine Familie, die sozialpädagogische Familienhilfe erhält, hat ausschließlich mit einem Hilfesystem zu tun. Oft sind parallel Erziehungsberatungsstellen, Schulsozialarbeit, Gesundheitsamt, Jobcenter oder Schuldnerberatung involviert. Die SPFH-Fachkraft übernimmt häufig eine koordinierende Rolle und muss die verschiedenen Akteure im Blick behalten.
Wer die Strukturen der Jugendhilfe, die Angebotslandschaft vor Ort und die Schnittstellen zu anderen Systemen kennt, kann Familien gezielt vermitteln und Doppelstrukturen vermeiden. Dieses Vernetzungswissen ist kein Nice-to-have, sondern eine Kernkompetenz. Familien profitieren enorm, wenn ihre SPFH-Fachkraft weiß, welche Anlaufstelle bei welchem Problem die richtige ist und wie Übergänge gut gestaltet werden können.
Gesellschaftliche Entwicklungen erhöhen den Bedarf
Die Corona-Pandemie, steigende Lebenshaltungskosten, Wohnungsknappheit und die Zunahme psychischer Erkrankungen führen dazu, dass immer mehr Familien an ihre Grenzen kommen. Gleichzeitig verändern sich Familienstrukturen. Alleinerziehende, Patchwork-Konstellationen und Familien mit Migrationsgeschichte benötigen oft spezifische Unterstützungsformen. Die sozialpädagogische Familienhilfe muss auf diese Vielfalt reagieren können.
Aktuelles Wissen über gesellschaftliche Entwicklungen und deren Auswirkungen auf Familien ist deshalb unverzichtbar. Wer versteht, wie sich etwa finanzielle Unsicherheit auf das Erziehungsverhalten auswirkt oder welche Rolle digitale Medien im Familienalltag spielen, kann passgenauer arbeiten. Die SPFH ist keine statische Hilfeform, sondern entwickelt sich mit den Bedarfen der Familien weiter.
Häufige Herausforderungen und Stolpersteine
Der Einstieg in die sozialpädagogische Familienhilfe ist für viele Fachkräfte von Unsicherheiten geprägt. Eine der größten Hürden besteht darin, die richtige Balance zwischen Nähe und Distanz zu finden. Einerseits erfordert die Arbeit in der SPFH ein hohes Maß an Empathie und die Bereitschaft, sich auf die Lebenswelt der Familie einzulassen. Andererseits ist professionelle Distanz notwendig, um handlungsfähig zu bleiben und nicht von den Problemen der Familie überwältigt zu werden.
Viele neue Fachkräfte berichten, dass sie anfangs zu viel Verantwortung übernehmen. Sie organisieren Termine, begleiten die Familie zu allen Behördengängen und springen ein, wenn die Eltern etwas nicht schaffen. Was kurzfristig hilfreich erscheint, verhindert jedoch oft, dass die Familie eigene Bewältigungsstrategien entwickelt. Wenn die SPFH endet, fallen Familien dann schnell wieder in alte Muster zurück, weil sie nicht gelernt haben, selbst Lösungen zu finden.
Ein weiterer Stolperstein liegt im Umgang mit Widerstand. Nicht alle Familien beantragen die SPFH freiwillig. Oft ist die Hilfe Teil einer Auflage des Jugendamts, etwa nach einer Kindeswohlgefährdungsmeldung. In diesen Fällen begegnet die Fachkraft zunächst Misstrauen, Ablehnung oder passiver Kooperation. Ohne Strategien für den Umgang mit Widerstand kann die Arbeit schnell festgefahren sein. Es braucht Geduld, Transparenz und die Fähigkeit, auch in schwierigen Situationen wertschätzend zu bleiben.
Dokumentation und Berichtspflichten werden ebenfalls häufig unterschätzt. Die SPFH ist eine Leistung des Jugendamts, die finanziert und evaluiert werden muss. Fachkräfte sind verpflichtet, regelmäßig über den Hilfeverlauf zu berichten, an Hilfeplangesprächen teilzunehmen und ihre Arbeit zu dokumentieren. Gerade für Menschen, die aus anderen pädagogischen Feldern kommen, kann dieser bürokratische Aufwand überraschend sein. Wer hier nicht strukturiert vorgeht, verliert schnell den Überblick und gerät unter Druck.
Auch die Abgrenzung zu anderen Hilfeformen ist nicht immer klar. Die sozialpädagogische Familienhilfe ist keine Therapie, keine Kinderbetreuung und keine Haushaltshilfe, auch wenn sie Elemente von allem beinhalten kann. Familien haben manchmal andere Erwartungen als die Fachkraft erfüllen kann oder darf. Diese Erwartungen zu klären und transparent zu kommunizieren, was zur SPFH gehört und was nicht, ist eine ständige Aufgabe.
Schließlich sind Fachkräfte in der SPFH oft mit existenziellen Notlagen konfrontiert. Armut, Gewalt, Sucht und psychische Erkrankungen gehören zur Realität vieler Familien. Wer nicht gelernt hat, mit solchen Belastungen professionell umzugehen, läuft Gefahr, selbst psychisch zu erkranken oder sich hilflos zu fühlen. Die Fähigkeit, sich abzugrenzen, Unterstützung im Team zu suchen und die eigene Rolle realistisch einzuschätzen, muss oft erst entwickelt werden.
Anwendung in der Praxis
Wie sieht sozialpädagogische Familienhilfe im Alltag konkret aus? Die Praxis ist so vielfältig wie die Familien selbst. Ein typisches Beispiel könnte so aussehen: Eine alleinerziehende Mutter mit drei Kindern meldet sich beim Jugendamt, weil sie überfordert ist. Die Kinder fallen in der Schule negativ auf, die Wohnung ist chaotisch, und es gibt Beschwerden von Nachbarn wegen Lärm. Das Jugendamt gewährt SPFH.
Die Fachkraft vereinbart einen ersten Hausbesuch. In diesem Erstgespräch geht es darum, die Situation zu verstehen, Vertrauen aufzubauen und gemeinsam Ziele zu formulieren. Die Mutter fühlt sich seit der Trennung vom Partner erschöpft und sieht keine Struktur mehr im Alltag. Die Fachkraft hört zu, würdigt die Belastungen und fragt nach vorhandenen Ressourcen. Dabei stellt sich heraus, dass die Mutter früher gern gekocht hat und stolz darauf war, den Haushalt zu organisieren.
In den folgenden Wochen trifft sich die Fachkraft zwei- bis dreimal wöchentlich mit der Familie. Gemeinsam wird ein Wochenplan entwickelt, der feste Essenszeiten, Hausaufgabenzeiten und Rituale wie das Vorlesen am Abend vorsieht. Die Fachkraft begleitet die Mutter zu einem Elterngespräch in der Schule und hilft dabei, die Perspektive der Lehrkräfte zu verstehen. Sie vermittelt Kontakt zu einer Schuldnerberatung, weil sich herausstellt, dass finanzielle Sorgen eine große Belastung sind.
Während die Struktur im Alltag langsam zurückkehrt, arbeitet die Fachkraft auch an der Eltern-Kind-Beziehung. In Gesprächen reflektiert die Mutter ihr Erziehungsverhalten. Sie erkennt, dass sie oft zwischen Nachgiebigkeit und übermäßiger Strenge schwankt. Die Fachkraft macht alternative Handlungsweisen erlebbar, etwa indem sie in Konfliktsituationen mit den Kindern präsent ist und modellhaft zeigt, wie klare, aber wertschätzende Kommunikation aussehen kann.
Nach einigen Monaten hat sich die Situation stabilisiert. Die Mutter fühlt sich kompetenter, die Kinder zeigen weniger auffälliges Verhalten, und die Familie hat wieder einen Alltag, der funktioniert. Im Hilfeplangespräch wird vereinbart, die Besuche auf einmal wöchentlich zu reduzieren, um die Verselbstständigung zu fördern. Nach insgesamt 18 Monaten wird die SPFH erfolgreich beendet, mit der Option, bei Bedarf wieder Kontakt aufzunehmen.
Ein anderes Beispiel zeigt die SPFH in einer Familie mit Migrationsgeschichte. Die Eltern sprechen wenig Deutsch, haben Schwierigkeiten, sich im deutschen Schulsystem zurechtzufinden, und fühlen sich isoliert. Hier liegt der Fokus der SPFH auf praktischer Orientierungshilfe. Die Fachkraft erklärt, wie das Schulsystem funktioniert, begleitet zu Arztterminen und vermittelt Kontakt zu einem Deutschkurs und zu Freizeitangeboten für die Kinder. Gleichzeitig geht es darum, die Stärken der Familie sichtbar zu machen und die Eltern darin zu bestärken, dass sie trotz der sprachlichen Hürden gute Eltern sind.
In beiden Fällen zeigt sich: Die SPFH ist keine standardisierte Intervention, sondern passt sich an die jeweilige Familiensituation an. Fachkräfte brauchen die Flexibilität, auf unterschiedliche Bedarfe zu reagieren, ohne dabei die Zielsetzung aus den Augen zu verlieren.
So gelingt der Einstieg
Wer in der sozialpädagogischen Familienhilfe arbeiten möchte, sollte zunächst die formalen Voraussetzungen klären. In der Regel wird eine Qualifikation als Sozialpädagogin oder Sozialpädagoge, Sozialarbeiterin oder Sozialarbeiter oder Erzieherin oder Erzieher erwartet. Viele Träger setzen zusätzlich eine systemische Weiterbildung oder Berufserfahrung in der Jugendhilfe voraus. Quereinsteigende mit pädagogischer Grundqualifikation können ebenfalls Chancen haben, sollten aber bereit sein, sich intensiv einzuarbeiten und Weiterbildungen zu absolvieren.
Eine fundierte Einarbeitung ist unverzichtbar. Viele Träger bieten Mentoring durch erfahrene Kolleginnen und Kollegen an, bei dem neue Fachkräfte zunächst begleitend an Hausbesuchen teilnehmen und nach und nach eigene Fälle übernehmen. Diese Praxisbegleitung ist wertvoll, weil theoretisches Wissen allein nicht ausreicht. Die konkreten Herausforderungen im Kontakt mit Familien lassen sich am besten durch Erleben und Reflexion verstehen.
Der kostenlose Einführungskurs zur sozialpädagogischen Familienhilfe von Diingu bietet einen strukturierten Überblick über die wichtigsten Grundlagen. Der Kurs behandelt die historische Entwicklung der SPFH, die rechtlichen Rahmenbedingungen, zentrale Leitideen und den typischen Ablauf. Er vermittelt außerdem praxisnahes Wissen über die verschiedenen Akteure im Feld und die Herausforderungen, die im professionellen Handeln auftreten können. Für alle, die sich einen ersten Überblick verschaffen oder bestehende Kenntnisse systematisieren möchten, ist dieser Kurs eine wertvolle Ressource.
Neben formalen Qualifikationen sind persönliche Kompetenzen entscheidend. Empathie, Belastbarkeit, Reflexionsfähigkeit und Kommunikationsstärke gehören zu den wichtigsten Eigenschaften. Ebenso wichtig ist die Fähigkeit, mit Unsicherheit und Ambivalenz umzugehen. Die SPFH bietet selten schnelle Lösungen oder lineare Erfolgsgeschichten. Wer in diesem Feld arbeiten möchte, sollte bereit sein, Prozesse auszuhalten und auch kleine Fortschritte wertzuschätzen.
Die Vernetzung mit anderen Fachkräften ist ein weiterer Erfolgsfaktor. Regelmäßige Fallbesprechungen im Team, Supervision und kollegiale Beratung sind nicht nur für die fachliche Weiterentwicklung wichtig, sondern auch für die eigene psychische Gesundheit. Wer sich regelmäßig austauscht, läuft weniger Gefahr, in Handlungsroutinen zu erstarren oder sich mit schwierigen Fällen allein gelassen zu fühlen.
Schließlich ist eine offene Haltung gegenüber Weiterbildung hilfreich. Die sozialpädagogische Familienhilfe entwickelt sich ständig weiter, neue Methoden werden erprobt, rechtliche Rahmenbedingungen ändern sich, und gesellschaftliche Entwicklungen erfordern Anpassungen. Wer bereit ist, kontinuierlich dazuzulernen, bleibt fachlich auf dem neuesten Stand und kann den sich wandelnden Bedarfen der Familien gerecht werden.
Passende Weiterbildung bei Diingu
Wer sich fundiert in die sozialpädagogische Familienhilfe einarbeiten möchte, findet bei Diingu einen passenden Einstieg. Der Einführungskurs zur sozialpädagogischen Familienhilfe ist kostenfrei zugänglich und vermittelt alle wesentlichen Grundlagen für den Einstieg in dieses Arbeitsfeld. Der Kurs richtet sich an Fachkräfte, die neu in der SPFH tätig sind, aber auch an erfahrene Kolleginnen und Kollegen, die ihr Wissen strukturieren möchten. Interaktive Elemente und praxisnahe Beispiele machen den Kurs zu einer wertvollen Ergänzung für die berufliche Weiterbildung im sozialen Sektor.
Häufig gestellte Fragen
Was ist sozialpädagogische Familienhilfe?
Sozialpädagogische Familienhilfe ist eine ambulante Hilfe zur Erziehung nach Paragraph 31 SGB VIII. Sie unterstützt Familien in belastenden Lebenslagen durch aufsuchende, intensive Begleitung über mehrere Monate oder Jahre. Ziel ist die Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenzen und die Bewältigung von Alltagsproblemen.
Wer kann sozialpädagogische Familienhilfe beantragen?
Eltern oder Sorgeberechtigte können beim zuständigen Jugendamt einen Antrag auf SPFH stellen. Das Jugendamt prüft den Bedarf und gewährt die Hilfe, wenn die Voraussetzungen nach SGB VIII erfüllt sind. Auch das Jugendamt selbst kann die Hilfe vorschlagen, etwa nach einer Kindeswohlgefährdungsmeldung.
Wie lange dauert sozialpädagogische Familienhilfe?
Die Dauer ist individuell und richtet sich nach dem Hilfebedarf der Familie. Typischerweise läuft die SPFH zwischen sechs Monaten und zwei Jahren. In regelmäßigen Hilfeplangesprächen wird der Verlauf überprüft und entschieden, ob die Hilfe fortgesetzt, angepasst oder beendet wird.
Welche Qualifikation braucht man für SPFH?
In der Regel wird ein Abschluss in Sozialpädagogik, Sozialarbeit oder als Erzieherin oder Erzieher vorausgesetzt. Viele Träger erwarten zusätzlich Berufserfahrung in der Jugendhilfe oder eine systemische Zusatzqualifikation. Quereinsteiger mit pädagogischem Hintergrund haben ebenfalls Chancen, sollten aber bereit sein, sich intensiv weiterzubilden.
Was ist der Unterschied zwischen Familienhilfe und Erziehungsbeistand?
Die sozialpädagogische Familienhilfe arbeitet mit der gesamten Familie und zielt auf systemische Veränderungen ab. Der Erziehungsbeistand hingegen ist eine Einzelfallhilfe, die sich primär an ein Kind oder einen Jugendlichen richtet und dessen individuelle Entwicklung unterstützt. Beide Hilfeformen können auch parallel gewährt werden, wenn der Bedarf besteht.
Fazit
Die sozialpädagogische Familienhilfe ist eine der wirkungsvollsten und anspruchsvollsten Hilfeformen in der Kinder- und Jugendhilfe. Sie erreicht Familien in schwierigen Lebenslagen dort, wo sie sind, und begleitet sie über einen längeren Zeitraum hinweg. Dabei erfordert sie von Fachkräften ein hohes Maß an Fachkompetenz, Empathie und Reflexionsfähigkeit. Wer sich auf dieses Feld einlässt, braucht fundiertes Wissen über rechtliche Grundlagen, methodische Ansätze und die Dynamik von Familiensystemen.
Gleichzeitig ist die Arbeit in der SPFH erfüllend und sinnstiftend. Wer erlebt, wie eine Familie wieder handlungsfähig wird, wie Kinder sich positiv entwickeln und wie Eltern Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten zurückgewinnen, spürt den direkten gesellschaftlichen Beitrag der eigenen Arbeit. In Zeiten, in denen Familien vielfältigen Belastungen ausgesetzt sind, wird die sozialpädagogische Familienhilfe weiter an Bedeutung gewinnen.
Für alle, die in diesem Feld tätig werden möchten oder bereits tätig sind, lohnt sich die kontinuierliche Weiterbildung. Ein klares Verständnis der Strukturen, Abläufe und Haltungen in der SPFH ist die Grundlage für professionelles Handeln. Nur wer die Mechanismen versteht, kann flexibel und zielgerichtet arbeiten und dabei die Balance zwischen Unterstützung und Befähigung wahren. Die sozialpädagogische Familienhilfe ist kein Rezeptbuch, sondern ein Handwerkszeug, das in jeder Familie neu angepasst und reflektiert werden muss.
Quellen und weiterführende Links
[1] Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend - Hilfen zur Erziehung - https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/kinder-und-jugend/kinder-und-jugendschutz/hilfen-zur-erziehung
[2] Statistisches Bundesamt - Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe - https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Soziales/Kinderhilfe-Jugendhilfe/_inhalt.html
[3] Deutsches Institut für Jugendhilfe und Familienrecht - SGB VIII Kommentar - https://www.dijuf.de/