Konzepte der sozialpädagogischen Familienhilfe: Systemische Ansätze und Handlungsprinzipien für die Praxis
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Wenn Theorie auf Realität trifft: Warum Konzepte in der Familienhilfe entscheidend sind
Eine alleinerziehende Mutter mit drei Kindern, finanzielle Sorgen, Überforderung im Alltag und kaum soziale Kontakte im Quartier. Für Fachkräfte in der sozialpädagogischen Familienhilfe ist das keine Ausnahmesituation, sondern oft der typische Arbeitsalltag. Rund 50.000 Familien in Deutschland erhalten jährlich Unterstützung durch die sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH), eine der intensivsten Hilfeformen der Kinder- und Jugendhilfe [1]. Doch wie gelingt es, in solch komplexen Lebenssituationen wirkungsvoll zu unterstützen, ohne die Familien zu bevormunden?
Die Antwort liegt in den richtigen Konzepten der sozialpädagogischen Familienhilfe. Sie bilden das theoretische Fundament und zugleich die praktische Orientierung für alle, die mit Familien in belasteten Lebenslagen arbeiten. Dieser Artikel beleuchtet zentrale Denk- und Handlungsansätze wie die systemische Perspektive, die Lebensweltorientierung, die Sozialraumorientierung sowie die Prinzipien von Empowerment und Ressourcenorientierung. Darüber hinaus wird das Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle thematisiert, das den Arbeitsalltag vieler SPFH-Fachkräfte prägt. Wer sich fundiert in diesem Bereich weiterbilden möchte, findet bei Diingu den Kurs Konzepte der Sozialpädagogischen Familienhilfe, der theoretisches Verständnis mit praktischer Umsetzung verbindet.
Was sind Konzepte der sozialpädagogischen Familienhilfe und warum sind sie wichtig?
Konzepte in der sozialpädagogischen Familienhilfe sind mehr als akademische Theorien. Sie sind Denkmodelle und Handlungsrahmen, die Fachkräften helfen, die komplexen Dynamiken in Familiensystemen zu verstehen und professionell zu begleiten. Ein Konzept beschreibt dabei sowohl die Haltung als auch die methodische Herangehensweise an die Arbeit mit Familien. Es beantwortet Fragen wie: Welche Perspektive nehme ich ein? Wo setze ich an? Welche Ziele verfolge ich? Und wie gestalte ich die Beziehung zu den Familien?
Die sozialpädagogische Familienhilfe nach Paragraf 31 des Sozialgesetzbuchs VIII ist eine ambulante Hilfe zur Erziehung, die Familien in ihrem Alltag begleitet und unterstützt [2]. Anders als in stationären Settings findet die Arbeit direkt im Lebensumfeld der Familie statt, oft über mehrere Monate oder Jahre hinweg. Diese Intensität und Nähe erfordert eine klare konzeptionelle Ausrichtung. Ohne fundierte Konzepte drohen Fachkräfte, entweder in reines Krisenmanagement abzurutschen oder sich in der Komplexität der familiären Problemlagen zu verlieren.
Aktuelle Entwicklungen in der Kinder- und Jugendhilfe unterstreichen die Bedeutung konzeptioneller Klarheit. Die Reform des Kinder- und Jugendstärkungsgesetzes (KJSG) von 2021 hat die Rechte von Kindern und Jugendlichen gestärkt und zugleich die Anforderungen an die Qualität der Hilfen erhöht [3]. Fachkräfte müssen heute nicht nur pädagogisch kompetent sein, sondern auch rechtlich sicher agieren, partizipativ arbeiten und präventiv denken können. Hier bieten etablierte Konzepte Orientierung und Legitimation für das eigene Handeln.
Warum dieses Wissen heute unverzichtbar ist
Komplexität von Familienlagen erfordert systematisches Denken
Familien, die sozialpädagogische Familienhilfe benötigen, befinden sich oft in Mehrfachbelastungen. Armut, psychische Erkrankungen, Suchtproblematik, Gewalterfahrungen und soziale Isolation treten häufig gemeinsam auf. Diese Problemlagen sind nicht linear und nicht isoliert voneinander zu betrachten. Systemisches Denken ermöglicht es Fachkräften, die Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Belastungsfaktoren zu erkennen und Interventionen entsprechend auszurichten. Wer versteht, dass das Verhalten eines Kindes möglicherweise eine Reaktion auf elterliche Konflikte ist, kann anders ansetzen als jemand, der nur das Symptom sieht.
Die systemische Perspektive betrachtet die Familie als ein lebendiges System mit eigenen Regeln, Mustern und Dynamiken. Veränderungen an einer Stelle des Systems wirken sich auf das gesamte Gefüge aus. Dieses Verständnis ist essentiell, um nachhaltige Veränderungsprozesse anzustoßen, statt nur punktuelle Symptome zu behandeln.
Lebensweltorientierung schafft Zugang zu den Familien
Theorien allein helfen wenig, wenn sie nicht an die reale Lebenswelt der Familien anschlussfähig sind. Der Ansatz der Lebensweltorientierung, maßgeblich geprägt von Hans Thiersch, rückt den Alltag, die Deutungsmuster und die Ressourcen der Familien ins Zentrum [4]. Statt mit vorgefertigten Lösungen zu arbeiten, orientiert sich die Fachkraft an den Bedürfnissen, Möglichkeiten und Vorstellungen der Familie selbst.
Dieser Ansatz ist besonders wichtig, weil er die Akzeptanz der Hilfe erhöht. Familien erleben sich nicht als Objekte von Intervention, sondern als Subjekte ihres eigenen Lebens. Das schafft Vertrauen und öffnet Türen für echte Veränderung. Fachkräfte, die lebensweltorientiert arbeiten, fragen nicht nur nach Problemen, sondern auch nach Träumen, Stärken und alltäglichen Routinen, die funktionieren.
Sozialraumorientierung mobilisiert Ressourcen im Umfeld
Keine Familie lebt isoliert. Der Sozialraum, also das direkte Wohnumfeld mit seinen Nachbarschaften, Einrichtungen, Vereinen und Netzwerken, ist ein oft unterschätzter Faktor in der Familienhilfe. Die Sozialraumorientierung richtet den Blick auf genau diese Umgebung und fragt: Welche Unterstützungsangebote gibt es im Quartier? Welche informellen Netzwerke können aktiviert werden? Wo gibt es Teilhabemöglichkeiten für Kinder und Eltern?
Dieser Ansatz ist deshalb unverzichtbar, weil er die Nachhaltigkeit der Hilfe erhöht. Wenn Familien in ihrem Sozialraum verankert sind und soziale Kontakte aufbauen, sind sie weniger auf professionelle Hilfe angewiesen. Sozialraumorientierte Arbeit bedeutet, Brücken zu bauen zwischen der Familie und ihrer Umgebung. Das kann die Vermittlung zu einem Elterncafé sein, die Anbindung an einen Sportverein oder die Unterstützung beim Aufbau nachbarschaftlicher Kontakte.
Empowerment stärkt Selbstwirksamkeit und Autonomie
Das Konzept des Empowerment (Selbstbefähigung) steht für einen grundlegenden Perspektivwechsel in der Sozialen Arbeit. Statt Defizite zu betonen und Abhängigkeiten zu schaffen, geht es darum, die Fähigkeiten und Stärken der Familien zu fördern und ihnen Handlungsmacht zurückzugeben. Empowerment bedeutet, Familien dabei zu unterstützen, eigene Entscheidungen zu treffen, Probleme selbstständig zu lösen und ihre Rechte wahrzunehmen.
Dieser Ansatz ist deshalb zentral, weil er der Gefahr entgegenwirkt, dass Familien in einer passiven Hilfeempfängerrolle verharren. Viele Familien haben aufgrund von langanhaltenden Belastungen und negativen Erfahrungen mit Behörden und Institutionen ihr Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit verloren. Empowerment-orientierte Familienhilfe setzt genau hier an: Sie ermutigt, traut zu, begleitet Selbsthilfeprozesse und feiert kleine Erfolge.
Ressourcenorientierung verändert den Blick auf Familien
Eng verbunden mit dem Empowerment-Ansatz ist das Prinzip der Ressourcenorientierung. Während problemzentrierte Ansätze oft eine lange Liste von Defiziten erstellen, fragt die Ressourcenorientierung: Was kann die Familie bereits? Welche Stärken sind vorhanden? Welche Bewältigungsstrategien haben in der Vergangenheit funktioniert?
Dieser Perspektivwechsel ist nicht nur motivierend für die Familien, sondern auch fachlich sinnvoll. Forschung zeigt, dass Interventionen, die an vorhandenen Stärken ansetzen, nachhaltiger wirken als defizitorientierte Ansätze [5]. Wenn eine Mutter beispielsweise gut kochen kann, lässt sich darüber nicht nur die Ernährungssituation verbessern, sondern auch das Selbstwertgefühl stärken, soziale Kontakte knüpfen oder sogar berufliche Perspektiven entwickeln.
Das Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle professionell gestalten
Eine der größten Herausforderungen in der sozialpädagogischen Familienhilfe ist das sogenannte Doppelmandat zwischen Hilfe und Kontrolle. Einerseits sollen Fachkräfte Familien unterstützen, andererseits haben sie einen Schutzauftrag gegenüber den Kindern und müssen bei Kindeswohlgefährdung eingreifen. Dieses Spannungsfeld ist nicht auflösbar, aber es kann professionell gestaltet werden.
Wer die konzeptionellen Grundlagen dieses Spannungsfelds versteht, kann transparenter arbeiten, klare Grenzen setzen und gleichzeitig eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen. Das erfordert eine hohe Reflexionsfähigkeit und die Bereitschaft, die eigene Rolle immer wieder zu hinterfragen. Vertiefende Informationen zu diesem und anderen Handlungsansätzen bietet der Diingu-Kurs Konzepte der Sozialpädagogischen Familienhilfe.
Häufige Herausforderungen und Stolpersteine
Trotz fundierten Wissens über Konzepte der sozialpädagogischen Familienhilfe stoßen Fachkräfte im Alltag immer wieder auf Hindernisse. Eine der häufigsten Herausforderungen ist die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Systemisch arbeiten, partizipativ handeln, ressourcenorientiert denken – all das braucht Zeit. In der Praxis stehen Fachkräfte jedoch oft unter enormem Zeitdruck, betreuen mehrere Familien parallel und müssen umfangreiche Dokumentationspflichten erfüllen. Unter diesen Bedingungen droht die konzeptionelle Arbeit zur Nebensache zu werden.
Ein weiteres Problem ist die fehlende konzeptionelle Klarheit im Team oder Träger. Wenn verschiedene Fachkräfte unterschiedliche Konzepte verfolgen oder der Träger keine klare konzeptionelle Ausrichtung vorgibt, entstehen Reibungsverluste und Verunsicherung. Familien spüren diese Unklarheit und reagieren mit Misstrauen oder Widerstand. Besonders bei Trägerwechseln oder Personalfluktuation wird deutlich, wie wichtig eine gemeinsame konzeptionelle Basis ist.
Das Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle führt häufig zu Rollenkonflikten. Fachkräfte, die einerseits vertrauensvoll mit Familien arbeiten möchten, andererseits aber Beobachtungen an das Jugendamt melden müssen, geraten in loyalitätskonflikte. Manche neigen dazu, die Kontrollfunktion zu ignorieren und sich voll auf die Hilfebeziehung zu konzentrieren. Andere wiederum überbetonen die Kontrolle und verlieren den Zugang zur Familie. Beide Extreme sind problematisch und gefährden die Wirksamkeit der Hilfe.
Auch die mangelnde Reflexion der eigenen Haltung stellt eine Stolperfalle dar. Konzepte wie Empowerment oder Ressourcenorientierung sind nicht einfach Methoden, die man anwendet. Sie erfordern eine grundlegende Haltung, die oft auch die eigenen Werte und Vorannahmen hinterfragt. Wer beispielsweise unbewusst davon ausgeht, dass Familien mit Migrationshintergrund defizitär sind, wird kaum ressourcenorientiert arbeiten können. Ohne regelmäßige Supervision und Selbstreflexion bleiben solche blinden Flecken unentdeckt.
Schließlich gibt es auch strukturelle Barrieren, die konzeptionelle Arbeit erschweren. Unzureichende Finanzierung, zu hohe Fallzahlen, fehlende Fortbildungsangebote oder bürokratische Hürden können selbst die motiviertesten Fachkräfte ausbremsen. Wenn der Hilfeplangespräch-Rhythmus zu lang ist, die Kooperation mit anderen Institutionen nicht funktioniert oder der Sozialraum kaum Ressourcen bietet, stoßen auch die besten Konzepte an ihre Grenzen.
Anwendung in der Praxis
Wie sehen die Konzepte der sozialpädagogischen Familienhilfe im konkreten Arbeitsalltag aus? Eine SPFH-Fachkraft beginnt ihre Arbeit mit einer Familie nicht mit einer Problemanalyse, sondern mit einem offenen Gespräch über den Alltag. Sie fragt die Eltern, wie ein typischer Tag aussieht, was gut läuft und wo es Schwierigkeiten gibt. Diese lebensweltorientierte Herangehensweise schafft von Anfang an eine andere Atmosphäre als ein defizitorientiertes Assessment.
Im Verlauf der Zusammenarbeit achtet die Fachkraft darauf, nicht nur mit den Eltern, sondern mit der gesamten Familie zu arbeiten. Sie beobachtet Interaktionsmuster, fragt nach Rollen und Regeln im Familiensystem und reflektiert gemeinsam mit der Familie, welche Dynamiken hilfreich sind und welche Veränderung brauchen könnten. Diese systemische Perspektive ermöglicht es, zirkuläre Muster zu erkennen, etwa wenn die Überforderung der Mutter zu Rückzug führt, was wiederum die Verhaltensauffälligkeiten des Sohnes verstärkt.
Gleichzeitig richtet die Fachkraft den Blick über die Familie hinaus. Sie erkundet gemeinsam mit der Mutter, welche Angebote es im Quartier gibt. Vielleicht gibt es einen offenen Treff für Alleinerziehende, einen kostenlosen Sportverein für die Kinder oder eine Nachbarin, die bei der Kinderbetreuung aushelfen könnte. Diese sozialraumorientierte Arbeit erweitert die Unterstützungsmöglichkeiten und vermindert die Abhängigkeit von professioneller Hilfe.
Besonders deutlich wird das Empowerment-Prinzip, wenn die Fachkraft die Mutter ermutigt, bei der nächsten Hilfeplanbesprechung selbst ihre Ziele zu formulieren, statt diese vorzugeben. Sie bereitet das Gespräch gemeinsam mit der Mutter vor, übt Formulierungen und stärkt ihr Selbstbewusstsein. Diese kleinen Schritte zur Selbstvertretung sind essentiell für die langfristige Selbstbefähigung der Familie.
In einer Situation, in der akute Kindeswohlgefährdung droht, wird das Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle unmittelbar spürbar. Die Fachkraft muss transparent kommunizieren, dass sie verpflichtet ist, bestimmte Beobachtungen zu melden, ohne dabei die Beziehung zur Familie abzubrechen. Sie erklärt die rechtlichen Grundlagen, bleibt im Dialog und sucht gemeinsam mit der Familie nach Lösungen. Diese professionelle Gestaltung des Doppelmandats ist eine Gratwanderung, die ohne konzeptionelles Verständnis kaum zu bewältigen ist.
In der Arbeit mit einem Vater, der arbeitslos geworden ist und in eine depressive Phase gerät, setzt die Fachkraft konsequent auf Ressourcenorientierung. Statt sich nur auf die Arbeitslosigkeit und Depression zu fokussieren, fragt sie nach früheren Interessen, Fähigkeiten und Hobbys. Der Vater erzählt, dass er früher gerne im Garten gearbeitet hat. Die Fachkraft vermittelt ihn an ein Urban-Gardening-Projekt im Quartier, wo er nicht nur eine sinnvolle Tätigkeit findet, sondern auch soziale Kontakte knüpft. Diese kleinen Anknüpfungspunkte an vorhandene Ressourcen können der Anfang größerer Veränderungen sein.
So gelingt der Einstieg
Wer neu in die sozialpädagogische Familienhilfe einsteigt oder sich konzeptionell weiterentwickeln möchte, sollte zunächst die eigene Haltung reflektieren. Wie sehe ich Familien? Eher defizitär oder ressourcenorientiert? Welche Vorannahmen bringe ich mit? Diese Selbstreflexion ist die Grundlage für eine professionelle konzeptionelle Arbeit. Supervision, kollegiale Beratung oder auch Fachliteratur können dabei hilfreich sein.
Ein weiterer wichtiger Schritt ist die vertiefte Auseinandersetzung mit einzelnen Konzepten. Es reicht nicht, nur oberflächlich von systemischer Arbeit oder Empowerment gehört zu haben. Wer die theoretischen Grundlagen versteht, kann sie viel besser in die Praxis übersetzen. Fachbücher, Fortbildungen und Austausch mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen sind hier unverzichtbar.
Praktisch hilfreich ist es, konkrete Methoden und Instrumente zu erlernen, die zu den jeweiligen Konzepten passen. Für systemische Arbeit können das Genogramme, Familienskulpturen oder zirkuläre Fragen sein. Für Sozialraumorientierung bieten sich Netzwerkkarten oder Sozialraumbegehungen an. Für Empowerment können Zielsetzungsgespräche oder Stärkenbücher hilfreich sein. Solche Werkzeuge machen abstrakte Konzepte greifbar und anwendbar.
Wichtig ist auch die Einbindung in ein Team oder Netzwerk. Konzeptionelle Arbeit gelingt besser, wenn sie gemeinsam getragen wird. Regelmäßige Fallbesprechungen, gemeinsame konzeptionelle Weiterentwicklung und eine offene Fehlerkultur sind förderlich. Wenn der eigene Träger keine klare Konzeption hat, lohnt es sich, dies anzuregen und aktiv mitzugestalten.
Schließlich hilft es, klein anzufangen und Schritt für Schritt zu wachsen. Niemand muss von heute auf morgen perfekt systemisch, lebensweltorientiert und empowernd arbeiten. Es ist ein Lernprozess, der Zeit braucht. Sich zunächst auf ein Konzept zu konzentrieren, es zu verinnerlichen und dann schrittweise weitere Ansätze zu integrieren, ist ein realistischer Weg.
Passende Weiterbildung bei Diingu
Wer die Konzepte der sozialpädagogischen Familienhilfe fundiert erlernen und vertiefen möchte, findet bei Diingu eine strukturierte Möglichkeit zur Weiterbildung. Der Kurs Konzepte der Sozialpädagogischen Familienhilfe behandelt systematisch die zentralen Denk- und Handlungsansätze wie systemische Perspektive, Lebensweltorientierung, Sozialraumorientierung, Empowerment und Ressourcenorientierung. Besonders hilfreich ist die praxisnahe Aufbereitung, die es ermöglicht, theoretisches Wissen direkt in den Arbeitsalltag zu übertragen. Der Kurs eignet sich sowohl für Einsteigende als auch für erfahrene Fachkräfte, die ihr konzeptionelles Fundament vertiefen möchten.
Häufig gestellte Fragen
Was ist Lebensweltorientierung in der sozialpädagogischen Familienhilfe?
Lebensweltorientierung ist ein Handlungsansatz, der den Alltag, die Erfahrungen und die Deutungsmuster der Familie ins Zentrum stellt. Statt mit vorgefertigten Lösungen zu arbeiten, orientiert sich die Fachkraft an den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Familie. Ziel ist es, Hilfe so zu gestalten, dass sie anschlussfähig an die Lebenswelt der Familie ist und von ihr als sinnvoll erlebt wird. Dieser Ansatz wurde maßgeblich von Hans Thiersch entwickelt.
Wie funktioniert systemische Familienhilfe in der Praxis?
Systemische Familienhilfe betrachtet die Familie als ein System mit eigenen Regeln, Mustern und Wechselwirkungen. Veränderungen an einer Stelle wirken sich auf das gesamte System aus. In der Praxis bedeutet das, nicht nur einzelne Familienmitglieder zu betrachten, sondern die Dynamiken zwischen ihnen. Fachkräfte nutzen Methoden wie Genogramme, zirkuläre Fragen oder Familienskulpturen, um Muster sichtbar zu machen und gemeinsam mit der Familie neue Lösungen zu entwickeln.
Warum ist Ressourcenorientierung in der SPFH wichtig?
Ressourcenorientierung lenkt den Blick auf vorhandene Stärken, Fähigkeiten und Bewältigungsstrategien der Familie, statt sich nur auf Probleme zu konzentrieren. Dieser Ansatz ist motivierend, stärkt das Selbstwertgefühl und führt zu nachhaltigeren Veränderungen. Forschung zeigt, dass Interventionen, die an Stärken ansetzen, wirkungsvoller sind als defizitorientierte Ansätze. Zudem fördert Ressourcenorientierung die Selbstwirksamkeit und reduziert Abhängigkeiten von professioneller Hilfe.
Was bedeutet das Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle?
Das Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle, auch Doppelmandat genannt, beschreibt die doppelte Verpflichtung von Fachkräften in der Jugendhilfe. Einerseits sollen sie Familien unterstützen und eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen, andererseits haben sie einen Schutzauftrag gegenüber Kindern und müssen bei Kindeswohlgefährdung eingreifen. Dieses Spannungsfeld ist nicht auflösbar, kann aber durch Transparenz, klare Kommunikation und professionelle Reflexion gestaltet werden.
Wie wird Empowerment in der Familienhilfe umgesetzt?
Empowerment bedeutet, Familien dabei zu unterstützen, eigene Entscheidungen zu treffen, Probleme selbstständig zu lösen und ihre Handlungsmacht zurückzugewinnen. In der Praxis wird Empowerment durch partizipative Gesprächsführung, Ermutigung, Stärkung von Kompetenzen und Begleitung von Selbsthilfeprozessen umgesetzt. Konkret kann das bedeuten, Familien in Hilfeplangesprächen selbst ihre Ziele formulieren zu lassen, sie zu ermutigen, ihre Rechte wahrzunehmen, oder sie beim Aufbau sozialer Netzwerke zu unterstützen.
Fazit
Die Konzepte der sozialpädagogischen Familienhilfe sind weit mehr als akademisches Wissen. Sie sind das Fundament für professionelles, wirksames und ethisch verantwortungsvolles Handeln in einem hochkomplexen Arbeitsfeld. Systemische Perspektive, Lebensweltorientierung, Sozialraumorientierung, Empowerment und Ressourcenorientierung bieten Fachkräften Orientierung in herausfordernden Situationen und helfen dabei, Familien nicht zu bevormunden, sondern zu befähigen.
Das Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle bleibt eine Herausforderung, die kontinuierliche Reflexion erfordert. Doch wer die konzeptionellen Grundlagen versteht und verinnerlicht, kann dieses Spannungsfeld professionell gestalten. Die Investition in konzeptionelles Wissen zahlt sich aus, sowohl für die Fachkräfte selbst als auch für die Familien, die sie begleiten.
In einer Zeit, in der die Anforderungen an die Kinder- und Jugendhilfe stetig steigen, ist fundiertes konzeptionelles Wissen unverzichtbar. Wer Familien nachhaltig unterstützen und Kindern bessere Zukunftschancen ermöglichen möchte, braucht mehr als guten Willen. Es braucht eine klare Haltung, theoretisches Verständnis und die Fähigkeit, beides in die Praxis zu übersetzen. Die hier vorgestellten Konzepte bieten genau dafür die Grundlage.
Quellen und weiterführende Links
[1] Statistisches Bundesamt - Kinder- und Jugendhilfe: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Soziales/Kinderhilfe-Jugendhilfe/_inhalt.html
[2] Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend - SGB VIII: https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/kinder-und-jugend/kinder-und-jugendschutz
[3] Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend - Kinder- und Jugendstärkungsgesetz: https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/alle-meldungen/mehr-schutz-und-mehr-hilfe-das-neue-kinder-und-jugendstaerkungsgesetz-155194
[4] Hans Thiersch - Lebensweltorientierte Soziale Arbeit: https://www.socialnet.de/lexikon/Lebensweltorientierung
[5] Deutsches Jugendinstitut - Forschung zur Kinder- und Jugendhilfe: https://www.dji.de/themen/kinderbetreuung/hilfen-zur-erziehung.html