Kommunikation im Schulalltag: Wie Sie Konflikte konstruktiv lösen und Missverständnisse vermeiden
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Eine Schulbegleiterin betritt den Klassenraum und hört, wie die Lehrkraft zu ihrem Schützling sagt: "Du solltest jetzt endlich mal zuhören." Der Schüler verschränkt die Arme und wendet den Blick ab. Die Situation kippt innerhalb von Sekunden. Solche Momente prägen die Kommunikation im Schulalltag jeden Tag aufs Neue. Sie entscheiden darüber, ob Lernprozesse gelingen oder ins Stocken geraten, ob Beziehungen wachsen oder zerbrechen. Wer im schulischen Kontext arbeitet, benötigt deshalb mehr als nur gute Absichten. Es braucht fundiertes Wissen über Kommunikationsmodelle und wirksame Strategien zur Konfliktbewältigung.
In diesem Artikel erfahren Sie, wie das Vier-Seiten-Modell nach Schulz von Thun Ihnen hilft, Gesprächssituationen differenziert zu analysieren. Sie lernen, warum Missverständnisse entstehen und wie die gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg konkret im Schulalltag angewendet werden kann. Wer sich in diesem Bereich vertiefen möchte, findet bei Diingu den Kurs Grundlagen der Kommunikation und Konfliktbewältigung, der diese Konzepte praxisnah für Schulbegleiter:innen und pädagogische Fachkräfte aufbereitet.
Was ist Kommunikation im Schulalltag und warum ist sie wichtig?
Kommunikation im schulischen Kontext ist weit mehr als der reine Austausch von Informationen. Sie umfasst alle verbalen und nonverbalen Signale, die zwischen Lehrkräften, Schüler:innen, Eltern, Schulbegleiter:innen und weiterem pädagogischen Personal ausgetauscht werden. Jede Geste, jeder Tonfall und jede Wortwahl transportiert Bedeutungsebenen, die über den reinen Informationsgehalt hinausgehen. In einem Umfeld, das von vielfältigen Bedürfnissen, unterschiedlichen Erwartungen und oft engen Zeitrahmen geprägt ist, wird Kommunikation zur zentralen Gelingensbedingung.
Die Qualität der schulischen Kommunikation beeinflusst direkt das Lernklima und die Beziehungsgestaltung. Studien zeigen, dass positive Lehrer-Schüler-Beziehungen die Lernmotivation signifikant erhöhen und Verhaltensprobleme reduzieren [1]. Gleichzeitig entstehen viele Kommunikationsprobleme in der Schule aus dem Umstand, dass Botschaften unterschiedlich interpretiert werden. Was die eine Person als sachliche Information meint, kann beim Gegenüber als persönlicher Vorwurf ankommen. Dieser Mechanismus lässt sich mit dem Vier-Seiten-Modell von Friedemann Schulz von Thun besser verstehen.
Das Modell beschreibt, dass jede Äußerung vier Dimensionen enthält: die Sachebene (worüber ich informiere), die Selbstoffenbarung (was ich von mir preisgebe), die Beziehungsebene (wie ich zum Gegenüber stehe) und die Appellebene (wozu ich das Gegenüber veranlassen möchte). Ein einfacher Satz wie "Die Hausaufgaben fehlen" kann sachlich gemeint sein, wird aber möglicherweise als Kritik an der Person verstanden. Diese Mehrdeutigkeit macht Kommunikation komplex und fehleranfällig, besonders wenn Stress und Zeitdruck dazukommen.
Darum ist die bewusste Auseinandersetzung mit Kommunikationsgrundlagen heute unverzichtbar. Gerade Schulbegleiter:innen bewegen sich in einem sensiblen Beziehungsgeflecht zwischen Kind, Lehrkraft, Eltern und weiteren Beteiligten. Sie sind oft Vermittler:innen und müssen in der Lage sein, unterschiedliche Perspektiven zu verstehen und angemessen zu reagieren. Nur wer die Mechanismen der Kommunikation durchschaut, kann Konflikte in der Schule lösen, bevor sie eskalieren.
Warum dieses Wissen heute unverzichtbar ist
Zunehmende Heterogenität in Schulklassen
Die Zusammensetzung von Schulklassen ist heute vielfältiger denn je. Kinder und Jugendliche bringen unterschiedliche kulturelle Hintergründe, Sprachniveaus, Lerntempi und soziale Erfahrungen mit. Diese Heterogenität ist eine Bereicherung, stellt aber auch höhere Anforderungen an die Kommunikation. Was in einem Kulturkreis als höfliche Zurückhaltung gilt, kann in einem anderen als Desinteresse wahrgenommen werden. Schulbegleiter:innen und Lehrkräfte müssen sensibel für solche Nuancen sein und ihre Kommunikation anpassen können. Wer die Prinzipien der gewaltfreien Kommunikation verinnerlicht hat, kann auf diese Vielfalt konstruktiv reagieren, ohne in Bewertungen oder Vorurteile zu verfallen.
Steigende Anforderungen an Inklusion
Inklusive Beschulung bedeutet, dass Kinder mit unterschiedlichsten Förderbedarfen gemeinsam lernen. Das erfordert eine Kommunikation, die individuell auf Bedürfnisse eingeht und gleichzeitig die Gruppe im Blick behält. Wenn ein Kind mit emotional-sozialem Förderbedarf impulsiv reagiert, braucht es eine andere Ansprache als ein Kind, das sich zurückzieht. Die Fähigkeit, Kommunikationsstrategien situativ anzupassen, wird zur Kernkompetenz. Zudem müssen Schulbegleiter:innen oft zwischen verschiedenen Erwartungen vermitteln, etwa wenn Eltern andere Vorstellungen haben als die Schule. Hier hilft fundiertes Wissen über Kommunikationsmodelle, um alle Beteiligten konstruktiv einzubinden [2].
Digitalisierung und neue Kommunikationskanäle
Neben den klassischen Face-to-Face-Gesprächen findet schulische Kommunikation zunehmend digital statt. E-Mails an Eltern, Nachrichten über Schulplattformen oder Videokonferenzen haben ihre eigenen Tücken. Nonverbale Signale wie Mimik und Gestik fallen weg, Missverständnisse entstehen leichter. Eine unbedacht formulierte E-Mail kann Konflikte auslösen, die im persönlichen Gespräch nie entstanden wären. Die Prinzipien guter Kommunikation gelten auch hier, müssen aber auf das Medium angepasst werden. Klarheit, Wertschätzung und eine präzise Wortwahl werden noch wichtiger, wenn der Kanal die Möglichkeiten der Rückmeldung einschränkt.
Prävention von Burnout und Überlastung
Schlechte Kommunikation ist ein erheblicher Stressfaktor im pädagogischen Alltag. Ungeklärte Konflikte, wiederkehrende Missverständnisse und das Gefühl, nicht gehört zu werden, tragen zur emotionalen Erschöpfung bei. Wer hingegen über wirksame Konfliktstrategien verfügt und Gespräche konstruktiv gestalten kann, erlebt weniger Belastung und mehr Selbstwirksamkeit. Das wirkt sich direkt auf die Arbeitszufriedenheit und die Qualität der pädagogischen Arbeit aus. Kommunikationskompetenz ist also auch ein Baustein der eigenen Gesundheit und Resilienz.
Verantwortung als Rollenmodell
Kinder und Jugendliche lernen Kommunikation nicht nur durch explizite Anleitung, sondern vor allem durch Beobachtung. Wie gehen Erwachsene mit Konflikten um? Wie sprechen sie über Probleme? Wie reagieren sie auf Fehler? Pädagogische Fachkräfte sind Vorbilder, ob sie es wollen oder nicht. Wer selbst eine wertschätzende, klare Kommunikation praktiziert, vermittelt diese Haltung auch den Schüler:innen. Umgekehrt prägen abwertende oder unklare Kommunikationsmuster die junge Generation negativ. Die Verantwortung, als Rollenmodell zu wirken, macht es umso wichtiger, die eigenen kommunikativen Fähigkeiten kontinuierlich zu reflektieren und weiterzuentwickeln.
Zusammenarbeit im multiprofessionellen Team
Moderne Schulen sind Orte, an denen Menschen mit unterschiedlichen Professionen zusammenarbeiten: Lehrkräfte, Sonderpädagog:innen, Schulbegleiter:innen, Sozialarbeiter:innen, Therapeut:innen. Diese Vielfalt erfordert eine abgestimmte Kommunikation, damit alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Unterschiedliche fachliche Perspektiven können zu Reibungen führen, wenn nicht klar kommuniziert wird, wer welche Rolle hat und welche Ziele verfolgt werden. Die Konfliktbewältigung im Schulbegleitung-Kontext umfasst daher auch die Fähigkeit, im Team konstruktiv zu diskutieren und gemeinsame Lösungen zu entwickeln.
Häufige Herausforderungen und Stolpersteine
Einer der häufigsten Stolpersteine ist die Verwechslung von Beobachtung und Bewertung. Im hektischen Schulalltag neigen wir dazu, schnell zu urteilen: "Der Schüler ist faul", "Die Kollegin ist unkooperativ". Solche Bewertungen sind subjektive Interpretationen, keine objektiven Tatsachen. Sie führen zu Abwehrreaktionen und verschärfen Konflikte. Die gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg setzt genau hier an und fordert, zunächst nur zu beschreiben, was tatsächlich beobachtet wurde, ohne es zu bewerten. Diese Unterscheidung fällt vielen Menschen schwer, ist aber der Schlüssel zu einer deeskalierenden Gesprächsführung.
Ein weiteres Problem sind unausgesprochene Erwartungen. Wenn eine Schulbegleiterin erwartet, dass die Lehrkraft sie in Entscheidungen einbezieht, dies aber nie explizit kommuniziert, entsteht Frustration. Umgekehrt kann die Lehrkraft annehmen, die Schulbegleiterin wisse automatisch, was zu tun ist. Solche impliziten Annahmen führen zu Enttäuschungen und Vorwürfen. Klare, explizite Absprachen sind unerlässlich, werden aber im Alltagsstress oft vernachlässigt. Das kostet langfristig mehr Zeit und Energie, als wenn von Anfang an transparent kommuniziert worden wäre.
Missverständnisse entstehen auch durch unterschiedliche Kommunikationsstile. Manche Menschen sprechen sehr direkt und sachlich, andere bevorzugen eine beziehungsorientierte, indirekte Ansprache. Was die eine Person als Ehrlichkeit schätzt, empfindet die andere als Unhöflichkeit. Ohne Bewusstsein für diese Unterschiede kommt es zu unnötigen Konflikten. Das Vier-Seiten-Modell hilft, solche Stilunterschiede zu erkennen und die eigene Kommunikation flexibler zu gestalten. Es sensibilisiert dafür, dass es nicht die eine richtige Art zu kommunizieren gibt, sondern dass Anpassungsfähigkeit gefragt ist.
Zeitdruck und Überlastung verschärfen alle kommunikativen Herausforderungen. Zwischen Unterrichtsstunden, Pausenaufsicht und organisatorischen Aufgaben bleibt oft kaum Raum für ausführliche Gespräche. Konflikte werden auf die lange Bank geschoben, schwelen weiter und eskalieren dann unerwartet. Auch gut gemeinte Kommunikationsansätze scheitern, wenn schlicht die Zeit fehlt, sie anzuwenden. Hier ist es wichtig, auch kurze Kommunikationssequenzen bewusst zu gestalten und Prioritäten zu setzen: Welche Gespräche können warten, welche müssen sofort geführt werden?
Schließlich spielen eigene emotionale Trigger eine Rolle. Jeder Mensch hat wunde Punkte, die in bestimmten Situationen berührt werden. Eine scheinbar harmlose Bemerkung kann alte Verletzungen aktivieren und heftige Reaktionen auslösen. Ohne Selbstreflexion und emotionale Regulation ist konstruktive Kommunikation kaum möglich. Wer merkt, dass bestimmte Themen oder Verhaltensweisen regelmäßig starke Emotionen auslösen, sollte diese Muster genauer anschauen und gegebenenfalls Unterstützung suchen.
Anwendung in der Praxis
Eine Schulbegleiterin begleitet einen Jungen mit Autismus-Spektrum-Störung in einer dritten Klasse. Der Junge reagiert oft impulsiv, wenn er sich überfordert fühlt. Die Lehrkraft interpretiert dieses Verhalten als Provokation und reagiert zunehmend gereizt. Die Schulbegleiterin erkennt die Eskalationsspirale und entscheidet sich für ein klärendes Gespräch. Statt zu sagen "Sie sind unfair zu ihm", formuliert sie ihre Beobachtung konkret: "Mir ist aufgefallen, dass Jonas in den letzten drei Mathestunden seine Aufgaben weggeschoben hat und Sie daraufhin seine Pause gekürzt haben." Sie spricht damit die Sachebene an, ohne zu bewerten.
Anschließend teilt sie ihre Wahrnehmung der Beziehungsebene mit: "Ich habe den Eindruck, dass Sie frustriert sind, und das kann ich gut nachvollziehen." Diese Anerkennung der Gefühle der Lehrkraft öffnet den Raum für ein konstruktives Gespräch. Dann formuliert sie ihr eigenes Anliegen: "Mir ist wichtig, dass Jonas die Möglichkeit hat, sich zu regulieren, bevor die Situation eskaliert. Könnten wir gemeinsam überlegen, welche Signale er zeigt, bevor er überfordert ist?" Damit spricht sie die Appellebene an, ohne Vorwürfe zu machen. Das Gespräch verläuft konstruktiv, weil alle vier Seiten der Kommunikation bewusst gestaltet wurden.
Ein anderes Beispiel: Ein Schulbegleiter unterstützt ein Mädchen mit ADHS. Die Mutter ruft an und beschwert sich, dass ihre Tochter zu Hause erzählt, der Schulbegleiter würde sie ständig zurechtweisen. Der Schulbegleiter ist zunächst verunsichert und defensiv. Dann besinnt er sich auf die Prinzipien der gewaltfreien Kommunikation. Er beginnt das Gespräch mit: "Ich höre, dass Ihre Tochter sich von mir zurechtgewiesen fühlt. Das tut mir leid, denn das ist nicht meine Absicht." Er erkennt das Gefühl der Mutter an, ohne sich sofort zu rechtfertigen.
Dann beschreibt er konkret, was im Schulalltag passiert: "Wenn Ihre Tochter im Unterricht aufsteht und umherläuft, spreche ich sie an und bitte sie, sich wieder zu setzen. Mein Ziel ist, dass sie dem Unterricht folgen kann und die anderen Kinder nicht abgelenkt werden." Er trennt Beobachtung (aufstehen, umherlaufen) von Interpretation (Zurechtweisen) und erklärt sein Bedürfnis und das Bedürfnis der Klasse. Die Mutter versteht nun den Kontext besser und beide können gemeinsam überlegen, wie die Situation verbessert werden kann. Dieser Ansatz findet sich ausführlich im Diingu-Kurs Grundlagen der Kommunikation und Konfliktbewältigung, der praxisnahe Szenarien für Schulbegleiter:innen durchspielt.
In der Zusammenarbeit im Team zeigt sich die Bedeutung klarer Kommunikation ebenso. In einer Teamsitzung diskutieren Lehrkraft, Sonderpädagogin und Schulbegleiterin über die Förderplanung eines Schülers. Die Sonderpädagogin schlägt vor, den Fokus auf soziale Kompetenzen zu legen, die Lehrkraft möchte die fachlichen Lücken schließen. Die Schulbegleiterin spürt den Konflikt, sagt aber zunächst nichts. Später wird deutlich, dass widersprüchliche Ansätze verfolgt werden, was den Schüler verwirrt.
Eine konstruktive Alternative wäre gewesen, die unterschiedlichen Perspektiven direkt anzusprechen: "Ich höre zwei wichtige Anliegen. Wie können wir beides berücksichtigen?" Damit wird der Konflikt nicht unter den Teppich gekehrt, sondern als Chance für eine umfassendere Lösung genutzt. Solche Moderationsfähigkeiten sind Teil kommunikativer Kompetenz und können trainiert werden. Sie ermöglichen es, auch in Spannungssituationen handlungsfähig zu bleiben und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln.
So gelingt der Einstieg
Der erste Schritt zu besserer Kommunikation ist die Selbstreflexion. Nehmen Sie sich Zeit, zurückliegende Gesprächssituationen zu analysieren. Welche Gespräche sind gut gelaufen, welche nicht? Was haben Sie gesagt, wie hat das Gegenüber reagiert? Nutzen Sie dafür das Vier-Seiten-Modell: Welche Ebenen haben Sie angesprochen, welche möglicherweise übersehen? Solche Analysen schärfen das Bewusstsein für die eigenen Kommunikationsmuster und deren Wirkung.
Üben Sie, Beobachtungen von Bewertungen zu trennen. Bevor Sie eine Aussage treffen, fragen Sie sich: Beschreibe ich, was ich gesehen oder gehört habe, oder interpretiere ich bereits? Dieser kleine Unterschied hat große Wirkung. Statt "Du bist immer so unaufmerksam" sagen Sie "Mir ist aufgefallen, dass du in den letzten drei Aufgaben Fehler gemacht hast, die dir sonst nicht passieren." Die zweite Formulierung ist konkret, überprüfbar und lädt zum Dialog ein, statt defensiv zu machen.
Entwickeln Sie ein Bewusstsein für Ihre eigenen Bedürfnisse und die der anderen. Die gewaltfreie Kommunikation basiert auf der Annahme, dass hinter jedem Verhalten ein legitimes Bedürfnis steht. Wenn ein Schüler stört, könnte das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, Autonomie oder Stimulation dahinterstehen. Wenn Sie dieses Bedürfnis erkennen und ansprechen, eröffnen sich neue Lösungswege. Gleiches gilt für Konflikte mit Kolleg:innen oder Eltern. Fragen Sie sich: Was braucht die andere Person gerade wirklich?
Suchen Sie aktiv das Gespräch und scheuen Sie sich nicht, Unsicherheiten anzusprechen. "Ich bin mir nicht sicher, ob wir uns richtig verstanden haben. Können wir das noch einmal klären?" Solche Nachfragen sind kein Zeichen von Schwäche, sondern von professioneller Haltung. Sie verhindern, dass Missverständnisse sich verfestigen und später zu größeren Konflikten führen.
Nutzen Sie auch Feedbackschleifen. Bitten Sie Kolleg:innen oder Vorgesetzte um Rückmeldung zu Ihrer Kommunikation. Wie kommt Ihre Art zu sprechen an? Wo könnten Sie klarer oder wertschätzender formulieren? Externe Perspektiven sind wertvoll, weil sie blinde Flecken aufdecken. Ebenso können Sie selbst Feedback geben, wenn es konstruktiv und wohlwollend formuliert ist.
Schließlich lohnt es sich, die eigenen Kenntnisse systematisch zu vertiefen. Bücher, Fachartikel oder strukturierte Weiterbildungen bieten fundiertes Wissen und praktische Übungen. Gerade im Bereich der Kommunikationsmodelle gibt es eine Fülle von erprobten Ansätzen, die den Alltag spürbar erleichtern können. Wer die theoretischen Grundlagen versteht, kann sie flexibel auf unterschiedliche Situationen anwenden und so langfristig die eigene Kommunikationskompetenz stärken.
Passende Weiterbildung bei Diingu
Wer die Prinzipien der Kommunikation und Konfliktbewältigung strukturiert erlernen möchte, findet bei Diingu ein passendes Angebot. Der Kurs Grundlagen der Kommunikation und Konfliktbewältigung vermittelt das Vier-Seiten-Modell nach Schulz von Thun und die gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg praxisnah und verständlich. Der Kurs richtet sich speziell an Schulbegleiter:innen und pädagogische Fachkräfte, die ihre kommunikativen Fähigkeiten im Schulalltag stärken möchten. Durch interaktive Elemente und konkrete Anwendungsbeispiele wird das Gelernte direkt umsetzbar. So erhalten Sie das Rüstzeug, um Konflikte frühzeitig zu erkennen, Missverständnisse zu vermeiden und eine wertschätzende Kommunikation zu etablieren.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Vier-Seiten-Modell nach Schulz von Thun?
Das Vier-Seiten-Modell ist ein Kommunikationsmodell, das erklärt, dass jede Äußerung vier Dimensionen hat: Sachinhalt (die reine Information), Selbstoffenbarung (was der Sprechende über sich preisgibt), Beziehung (wie der Sprechende zum Gegenüber steht) und Appell (was der Sprechende erreichen möchte). Diese vier Ebenen wirken gleichzeitig, können aber unterschiedlich interpretiert werden. Das Modell hilft, Missverständnisse zu verstehen und bewusster zu kommunizieren, indem man alle Ebenen reflektiert und gezielt gestaltet.
Wie funktioniert gewaltfreie Kommunikation in der Schule?
Die gewaltfreie Kommunikation (GFK) nach Marshall B. Rosenberg basiert auf vier Schritten: Beobachtung (konkrete Beschreibung ohne Bewertung), Gefühl (eigene Emotion benennen), Bedürfnis (zugrunde liegendes Anliegen klären) und Bitte (konkrete, erfüllbare Handlung formulieren). In der Schule bedeutet das, Konfliktsituationen nicht mit Vorwürfen zu begegnen, sondern das eigene Erleben und die eigenen Bedürfnisse klar zu kommunizieren. Gleichzeitig werden die Bedürfnisse des Gegenübers anerkannt, was den Weg für gemeinsame Lösungen öffnet und Eskalationen verhindert.
Welche Konflikte gibt es häufig im Schulalltag?
Typische Konflikte entstehen zwischen Lehrkräften und Schüler:innen (bei Regelverstößen, Leistungserwartungen), zwischen Schüler:innen untereinander (Mobbing, Ausgrenzung, Konkurrenzsituationen), zwischen Eltern und Schule (unterschiedliche Erwartungen, Kommunikationsprobleme) sowie im pädagogischen Team (unklare Rollen, unterschiedliche pädagogische Ansätze). Auch Schulbegleiter:innen erleben Konflikte, wenn ihre Rolle nicht klar definiert ist oder wenn unterschiedliche Vorstellungen über die Förderung eines Kindes bestehen. Viele dieser Konflikte basieren auf Missverständnissen und fehlender Kommunikation.
Wie kann ich Kommunikationsprobleme mit Schülern lösen?
Achten Sie zunächst auf eine wertschätzende Haltung und vermeiden Sie Bewertungen der Person. Beschreiben Sie konkret, was Sie beobachtet haben, und fragen Sie nach den Beweggründen des Schülers. Hören Sie aktiv zu und zeigen Sie Verständnis für die Perspektive des Kindes, auch wenn Sie das Verhalten nicht gutheißen. Formulieren Sie klar, welche Erwartungen Sie haben und warum diese wichtig sind. Suchen Sie gemeinsam nach Lösungen, die die Bedürfnisse aller Beteiligten berücksichtigen. Regelmäßige, kurze Gespräche sind oft wirksamer als seltene, lange Auseinandersetzungen.
Warum entstehen Missverständnisse in der Schulkommunikation?
Missverständnisse entstehen, weil Sender und Empfänger unterschiedliche Interpretationsrahmen haben. Was für die eine Person selbstverständlich ist, kann für die andere unklar sein. Zudem wirken nonverbale Signale (Mimik, Gestik, Tonfall) oft stärker als der Wortinhalt und können widersprüchlich sein. Zeitdruck, Stress und emotionale Belastung verringern die Aufmerksamkeit und erhöhen die Fehleranfälligkeit. Auch kulturelle und sprachliche Unterschiede sowie unterschiedliche Kommunikationsstile tragen dazu bei. Das Vier-Seiten-Modell zeigt, dass jede Nachricht auf mehreren Ebenen verstanden werden kann, was Raum für Fehlinterpretationen lässt.
Fazit
Die Art, wie wir im Schulalltag kommunizieren, entscheidet maßgeblich darüber, ob Lernen gelingt, Beziehungen stabil bleiben und Konflikte konstruktiv gelöst werden. Wer die Mechanismen der Kommunikation im Schulalltag versteht und bewusst gestaltet, schafft ein Klima, in dem sich alle Beteiligten gesehen und gehört fühlen. Das Vier-Seiten-Modell nach Schulz von Thun und die gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg sind dabei keine abstrakten Theorien, sondern praktische Werkzeuge, die den Alltag spürbar erleichtern.
Gerade in Zeiten wachsender Anforderungen, zunehmender Heterogenität und knapper Ressourcen ist kommunikative Kompetenz keine Zusatzqualifikation mehr, sondern eine Grundvoraussetzung für gelingende pädagogische Arbeit. Jede Investition in die eigene Kommunikationsfähigkeit zahlt sich mehrfach aus: in besseren Beziehungen, weniger Konflikten und mehr Zufriedenheit im Beruf. Die bewusste Auseinandersetzung mit diesem Thema ist ein Schritt zu mehr Professionalität und zugleich ein Beitrag zu einem respektvollen, wertschätzenden Miteinander in der Schule.
Quellen und weiterführende Links
[1] Hattie, J. (2009). Visible Learning: A Synthesis of Over 800 Meta-Analyses Relating to Achievement - https://visible-learning.org/
[2] Lütje-Klose, B. & Urban, M. (2014). Professionelle Kooperation als wesentliche Bedingung inklusiver Schul- und Unterrichtsentwicklung - https://www.pedocs.de/
[3] Schulz von Thun, F. (2018). Miteinander reden 1: Störungen und Klärungen. Allgemeine Psychologie der Kommunikation - https://www.schulz-von-thun.de/
[4] Rosenberg, M. B. (2016). Gewaltfreie Kommunikation: Eine Sprache des Lebens - https://www.nonviolentcommunication.com/