Ab dem 1. Juli 2026 gibt es in Deutschland wichtige Änderungen bei der staatlichen Grundsicherung (der finanziellen Unterstützung für Menschen ohne ausreichendes Einkommen). Das bisherige Bürgergeld heißt jetzt Grundsicherungsgeld. Und die Regeln für Sanktionen (Kürzungen der Geldleistungen bei Regelverstößen) wurden deutlich verschärft. [1]
Rund 5,2 Millionen Menschen sind von diesen Änderungen betroffen. [2] Für Fachkräfte in der Sozialen Arbeit ist es wichtig, die neuen Regeln zu kennen. Nur so können sie die Menschen, mit denen sie arbeiten, gut unterstützen.
Wer in der Sozialpädagogischen Familienhilfe (SPFH) tätig ist und Familien im Grundsicherungsbezug begleitet, findet bei Diingu hilfreiche Grundlagenkurse. Besonders empfehlenswert ist der Kurs Armut, der zentrale Zusammenhänge zwischen Armut und Alltag beleuchtet. Ebenfalls sehr passend ist der Kurs Rechtsgrundlagen der Sozialpädagogischen Familienhilfe, der auch das SGB II (das Sozialgesetzbuch Zweites Buch, das die Grundsicherung regelt) behandelt.
Was ist das Grundsicherungsgeld?
Das Grundsicherungsgeld ist die neue Bezeichnung für das frühere Bürgergeld. Es ist eine staatliche Leistung für Menschen, die ihren Lebensunterhalt nicht selbst finanzieren können. [1]
Der monatliche Regelbedarf (der Grundbetrag, der für den täglichen Bedarf vorgesehen ist) für eine alleinstehende Person beträgt weiterhin 563 Euro. [3] Es gibt keine Erhöhung im Jahr 2026.
Das Grundsicherungsgeld wird vom Jobcenter ausgezahlt. Das Jobcenter ist die Behörde, die Leistungen nach dem SGB II verwaltet und Menschen bei der Jobsuche unterstützt.
Was hat sich geändert?
Am 5. März 2026 hat der Deutsche Bundestag dem 13. Gesetz zur Änderung des SGB II zugestimmt. [1] Die wichtigsten Änderungen sind:
- Neue Bezeichnung: Bürgergeld wird zu Grundsicherungsgeld
- Härtere Sanktionen (Kürzungen bei Regelverstößen)
- Niedrigere Schonvermögen (weniger Ersparnisse dürfen behalten werden)
- Neue Obergrenzen bei den Wohnkosten
- Verschärfte Mitwirkungspflichten (stärkere Pflicht zur aktiven Mitarbeit) [4]
Die neuen Sanktionsregeln ab Juli 2026
Das ist der Kern der Reform: Die Sanktionen wurden deutlich verschärft. Sanktionen sind Kürzungen der monatlichen Geldleistungen. Sie werden verhängt, wenn jemand bestimmte Pflichten nicht erfüllt.
Wann drohen Sanktionen?
Sanktionen können verhängt werden, wenn jemand:
- einen Termin beim Jobcenter ohne Entschuldigung versäumt
- eine zumutbare Arbeit oder Maßnahme ablehnt
- nicht an der Eingliederungsvereinbarung (dem individuellen Plan zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt) mitwirkt
- Auflagen des Jobcenters nicht einhält [4]
Wie hoch sind die Kürzungen?
Die neuen Sanktionsstufen sind streng. [5]
| Verstoß | Kürzung | Dauer |
|---|---|---|
| 1. Pflichtverletzung | 30 % des Regelbedarfs | 3 Monate |
| Wiederholte Pflichtverletzung | Bis zu 100 % | Je nach Fall |
Beim ersten Verstoß wird der Regelbedarf sofort um 30 Prozent gekürzt. Das sind bei 563 Euro rund 169 Euro weniger pro Monat. [5] Diese Kürzung gilt für drei Monate.
Bei wiederholten Verstößen kann die Kürzung bis auf 100 Prozent steigen. Das bedeutet: Es wird kein Regelbedarf mehr ausgezahlt. [5] Das nennt man auch Totalsanktion.
Wichtig: Früher gab es eine Warnstufe mit nur 10 Prozent Kürzung beim ersten Verstoß. Diese Warnstufe gibt es nicht mehr. [5]
Was wird nicht gekürzt?
Auch bei einer Sanktion werden Miete und Heizkosten weiterhin bezahlt. Diese Kosten der Unterkunft (KdU) sind von Sanktionen ausgenommen. [5] Das ist ein wichtiger Schutz, damit niemand seine Wohnung verliert.
Fachkräfte, die Familien in solchen Situationen begleiten, können sich im Diingu-Kurs Umgang mit Geld wichtige Grundlagen aneignen, um Familien beim Umgang mit knappen Mitteln zu unterstützen.
Auswirkungen auf Familien und Kinder
Sanktionen treffen nicht nur Einzelpersonen. Sie können ganze Familien belasten. Deshalb ist es wichtig, die Schutzregelungen zu kennen.
Was schützt Familien?
- Kinder sind geschützt: Die Geldleistungen für Kinder werden nicht gekürzt, wenn ein Elternteil sanktioniert wird. [6]
- Partner sind geschützt: Auch die Leistungen für den Partner oder die Partnerin bleiben unberührt. [6]
- Miete bleibt gesichert: Die Wohnkosten werden weiterhin übernommen. [6]
Was belastet Familien trotzdem?
Trotz dieser Schutzregelungen spüren Familien die Auswirkungen von Sanktionen deutlich. [7]
- Weniger Geld für Schulbedarf, Sport oder gesunde Ernährung
- Erhöhter Stress und Druck im Familienalltag
- Schwierigkeiten, alle Auflagen des Jobcenters zu erfüllen
- Gefühl von Kontrollverlust und Ohnmacht
Verbände und Fachorganisationen haben bereits vor der Reform vor diesen Belastungen gewarnt. [8] Besonders Familien mit kleinen Kindern oder besonderen Bedarfen sind gefährdet.
Was können Fachkräfte tun?
Fachkräfte in der Sozialpädagogischen Familienhilfe spielen eine wichtige Rolle. Sie können:
- Frühzeitig informieren: Familien über die neuen Regeln aufklären, bevor Sanktionen drohen
- Termine begleiten: Familien zu Jobcenter-Terminen begleiten oder vorbereiten
- Widerspruch unterstützen: Bei ungerechtfertigten Sanktionen beim Widerspruch helfen
- Netzwerke nutzen: Beratungsstellen und Unterstützungsangebote im Sozialraum vermitteln
- Stabilisieren: Die Familie emotional und praktisch stärken
Mehr dazu, wie Fachkräfte in belastenden Situationen professionell handeln, zeigt der Diingu-Kurs Professionelles Handeln in der Sozialpädagogischen Familienhilfe.
Rechte und Widerspruchsmöglichkeiten
Wer eine Sanktion erhält, ist nicht schutzlos. Es gibt klare Rechte.
Das Recht auf Widerspruch
Betroffene können gegen jeden Sanktionsbescheid (das offizielle Schreiben über die Kürzung) Widerspruch einlegen. [5] Das ist ein formaler Einspruch gegen die Entscheidung des Jobcenters.
So geht es:
- Den Sanktionsbescheid genau lesen
- Die Frist für den Widerspruch beachten (in der Regel ein Monat)
- Den Widerspruch schriftlich beim Jobcenter einreichen
- Begründung angeben, warum die Sanktion ungerechtfertigt ist
- Bei Bedarf rechtliche Beratung suchen (z. B. beim Sozialverband oder einer Beratungsstelle)
Wichtige Fristen
Für den Widerspruch gelten gesetzliche Fristen. [5] Diese Fristen müssen unbedingt eingehalten werden. Wer die Frist versäumt, verliert in der Regel sein Widerspruchsrecht.
Praktischer Tipp: Fachkräfte sollten Familien ermutigen, Bescheide immer sofort zu öffnen und zu lesen. Viele Probleme entstehen, weil Briefe vom Jobcenter liegen bleiben.
Einordnung: Was bedeutet diese Reform?
Die Reform wird international als deutlicher Kurswechsel wahrgenommen. [2] Deutschland kehrt zu einem Modell zurück, das stärker auf Aktivierung und Sanktionsdruck setzt. Das war vor der Bürgergeld-Reform von 2023 ähnlich.
Kritiker:innen sehen die Gefahr, dass Menschen in existenzielle Not geraten. Befürworter:innen argumentieren, dass klare Regeln die Eigenverantwortung stärken.
Für Fachkräfte in der Sozialen Arbeit ist diese Debatte wichtig. Sie arbeiten täglich mit Menschen, die von diesen Regeln betroffen sind. Ein gutes Verständnis der rechtlichen Grundlagen ist deshalb unverzichtbar.
Der Diingu-Kurs Einführung in die Sozialpädagogische Familienhilfe bietet einen guten Einstieg für alle, die neu in diesem Bereich arbeiten.
Praktische Tipps für Fachkräfte
Hier sind konkrete Handlungsempfehlungen für die tägliche Arbeit:
Prävention (Vorbeugung)
- Sprechen Sie Themen rund um das Jobcenter aktiv an
- Erklären Sie Mitwirkungspflichten in einfacher Sprache
- Helfen Sie beim Ausfüllen von Formularen
- Erinnern Sie an wichtige Termine
Im Sanktionsfall
- Bleiben Sie ruhig und sachlich
- Lesen Sie den Bescheid gemeinsam mit der Familie
- Prüfen Sie, ob ein Widerspruch sinnvoll ist
- Vermitteln Sie an Beratungsstellen
- Unterstützen Sie bei der Kommunikation mit dem Jobcenter
Langfristige Unterstützung
- Stärken Sie die Selbstwirksamkeit (das Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit) der Familie
- Fördern Sie den Aufbau von Routinen und Strukturen
- Nutzen Sie Angebote im Sozialraum (lokale Unterstützungsangebote in der Nachbarschaft)
Der Diingu-Kurs Angebote des Gesundheitssystems und des Sozialraums zeigt, welche Unterstützungsangebote es gibt und wie Fachkräfte diese gezielt einsetzen können.
Passende Weiterbildungen bei Diingu
Das Thema Sanktionen im Grundsicherungsgeld berührt viele Bereiche der Sozialen Arbeit. Besonders Fachkräfte in der Sozialpädagogischen Familienhilfe (SPFH) begegnen diesen Themen täglich.
Diingu bietet kostenlose Einstiegskurse, die direkt auf diese Herausforderungen vorbereiten:
- Armut - Hintergründe und Auswirkungen von Armut im Familienalltag
- Umgang mit Geld - Finanzielle Grundbildung und Unterstützung bei Geldproblemen
- Rechtsgrundlagen der Sozialpädagogischen Familienhilfe - SGB II und weitere rechtliche Grundlagen
- Haushaltsführung - Praktische Unterstützung bei knappem Budget
- Professionelles Handeln in der Sozialpädagogischen Familienhilfe - Handlungssicherheit in schwierigen Situationen
Alle Kurse sind kostenlos zugänglich und speziell für Fachkräfte im sozialen Sektor entwickelt.
Quellen und weiterführende Links
[1] grundsicherungsgeld.de - Änderungen ab Juli 2026 - https://grundsicherungsgeld.de/aenderungen/
[2] ad-hoc-news.de - German Welfare Overhaul brings stricter sanctions for 5.2 million - https://www.ad-hoc-news.de/boerse/news/ueberblick/german-welfare-overhaul-brings-stricter-sanctions-for-5-2-million/69664020
[3] BMAS - Grundsicherung / Bürgergeld (offiziell) - https://www.bmas.de/DE/Arbeit/Grundsicherung-Buergergeld/grundsicherung-buergergeld.html
[4] buerger-geld.org - Bürgergeld wird Grundsicherungsgeld: Das ändert sich ab Juli 2026 - https://www.buerger-geld.org/news/grundsicherung/buergergeld-wird-grundsicherungsgeld-das-aendert-sich-ab-juli-2026-bei-vermoegen-wohnkosten-und-pflichten-wirklich/
[5] buergergeld.org - Bürgergeld Sanktionen 2026 - https://www.buergergeld.org/sgb-ii/sanktionen/
[6] rnd.de - Härtere Sanktionen und niedrigere Schonvermögen - https://www.rnd.de/politik/buergergeldreform-2026-haertere-sanktionen-und-neues-schonvermoegen-fuer-leistungsbezieher-2Q7T6TEGJNEQHFC462EHJ2I7DM.html
[7] buerger-geld.org - Neue Grundsicherung 2026: Was bedeutet das für Kinder und Familien? - https://www.buerger-geld.org/news/buergergeld/neue-grundsicherung-2026-was-bedeutet-das-fuer-kinder-und-familien/
[8] buerger-geld.org - Bürgergeld Reform 2026: Welche Verschärfungen Familien treffen könnten - https://www.buerger-geld.org/news/buergergeld/buergergeld-reform-2026-welche-verschaerfungen-familien-mit-der-neuen-grundsicherung-treffen-koennten/